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HaushaltsSteuerung.de » Themen » Doppik-Praxisberichte » Die Doppik-Einführung in Bruchsal aus Sicht des Gemeinderats

Die Doppik-Einführung in Bruchsal aus Sicht des Gemeinderats
Ein Interview mit Matthias Holoch (CDU-Fraktionsvorsitzender in Bruchsal)

11. Februar 2008



Erfahrungsberichte aus Sicht der Verwaltung zur Einführung der Doppik gibt es relativ viele - Berichte aus Sicht des Gemeinderates einer Reformkommune sind dagegen Mangelware. Der Aufgabe diese Lücke zu füllen hat HaushaltsSteuerung.de sich angenommen: Im Rahmen einer Interview-Reihe soll erstmals die Politik zu Wort kommen.

Die einzelnen Interviews der Reihe sind von der Struktur her einheitlich aufgebaut, wodurch für Sie als Leser die Möglichkeit eines Vergleichs geschaffen werden soll.

In Teil 2 der Reihe sprach HaushaltsSteuerung.de mit dem Vorsitzenden der CDU-Gemeinderatsfraktion, Matthias Holoch, über die Erfahrungen seiner Fraktion mit der Doppik-Einführung in Bruchsal.

HaushaltsSteuerung.de: Herr Holoch, die Stadt Bruchsal stellte 2007 ihren Haushalt auf die Doppik um. Wie kommen die Mitglieder der CDU-Fraktion mit dem neuen doppischen Vokabular zurecht? Wurden die Informationen aus dem Haushalt für die Mitglieder der ganzen Fraktion verständlicher?

Holoch: Diejenigen Kollegen, die als Selbständige mit der Doppik schon seit Jahren vertraut sind, hatten mit der Umstellung kaum Probleme. Die kommunale Doppik unterscheidet sich ja nur geringfügig von der Buchführung, wie sie in Unternehmen angewandt werden muß. Uns allen wurde schnell klar, dass die neuen Mechanismen (wie z.B. Abschreibungen und Rückstellungen) eine bessere Einschätzung der tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Heimatstadt ermöglichen.

HaushaltsSteuerung.de: Auch das Lesen eines doppischen Haushalts will gelernt sein. Gab es für Sie als Gemeinderäte hierfür spezielle Schulungen und wie sind diese verlaufen?

Holoch: Wir in Bruchsal haben das Glück, dass wir mit Prof. Klaus Notheis einen ausgewiesenen Experten für kommunale Doppik als Stadtkämmerer gewinnen konnten. Davon hat nicht nur die Stadtverwaltung, sondern natürlich auch der gesamte Gemeinderat profitiert.

HaushaltsSteuerung.de: Häufig liegt der Bereich Haushalt im Verantwortungsbereich von einem oder wenigen Fraktionsmitgliedern. Ist dies nach Einführung der Doppik noch immer so, oder beteiligen sich inzwischen mehr Fraktionsmitglieder an haushaltspolitischen Fragen?

Holoch: Die Verabschiedung des Haushaltes ist eine zentrale politische Steuerungsaufgabe, an der sich alle Fraktionsmitglieder sehr intensiv beteiligen. Mit der Umstellung auf eine neue Systematik hatte sich natürlich der Aufwand erhöht, die einzelnen Haushaltsansätze nachzuvollziehen. Wenn man sich aber in der Doppik zurechtgefunden hat, ist es sicherlich einfacher als vorher.

HaushaltsSteuerung.de: Viele Bürger können doppische Jahresabschlüsse lesen und verstehen. Hat sich die Kommunikation zur Bürgerschaft seit Einführung der Doppik verbessert?

Holoch: Meiner Erfahrung nach interessieren sich die Bürger kaum für den Haushalt als solchen, sondern vielmehr für einzelne Projekte und Aufgaben aus einem sehr persönlichen Blickwinkel. Da hilft es bei Diskussionen schon, dass wir z.B. die Abschreibungen kennen und dadurch die finanziellen Folgen genau aufzeigen können.

HaushaltsSteuerung.de: Kennzahlen sind ein wichtiges Steuerungsinstrument im kommunalen Haushalt. Wurden Sie als Mitglieder des Gemeinderats bei der Kennzahlenbildung beteiligt, oder wurden die Kennzahlen von der Verwaltung formuliert? Falls Sie nicht beteiligt wurden: Würden Sie sich das wünschen?

Holoch: Kennzahlen müssen vor allem eines: eine Vergleichbarkeit der Kommunen untereinander herstellen. Dabei stehen wir noch ganz am Anfang. Insofern ist es eine wichtige Aufgabe für die kommunalen Verbände sich auf Kennzahlen zu verständigen, die einen entsprechenden Leistungsvergleich ermöglichen.
Wir Stadträte behelfen uns derzeit noch mit punktuellen Leistungsvergleichen, die wir sehr detailliert angehen und für die wir alle notwendigen Informationen von der Stadtverwaltung auch bekommen.

HaushaltsSteuerung.de: Die Doppik bildet im Gegensatz zur Kameralistik Abschreibungen und Pensionsrückstellungen als neue Elemente ab. Hat die Darstellung dieser Positionen eine Bewusstseinsänderung im Hinblick auf eine generationengerechte Politik gehabt?

Holoch: Uns war schon immer klar, dass wir nicht auf Kosten unserer Kinder und Enkel leben können. Neu und ein Stück weit erschreckend war, wie weit wir beispielsweise davon entfernt sind unsere Abschreibungen zu erwirtschaften. Wir sind aber auf einem guten Weg: Die letzten beiden Haushalte haben wir - trotz hoher Investitionen - ohne neue Schulden finanzieren können.


Die Interview-Reihe im Überblick:
» Die Doppik-Einführung in Brühl aus Sicht des Gemeinderats - ein Interview mit Matthias Petran
   (Interview-Reihe Teil 1/7)

» Die Doppik-Einführung in Bruchsal aus Sicht des Gemeinderats - ein Interview mit Matthias
   Holoch (Interview-Reihe Teil 2/7)

» Die Doppik-Einführung in Dortmund aus Sicht des Gemeinderats - ein Interview mit Ernst Prüsse
   (Interview-Reihe Teil 3/7)

» Die Doppik-Einführung in Stetten a.k.M. aus Sicht des Gemeinderats - ein Interview mit Günther
   Gotthold Töpfer (Interview-Reihe Teil 4/7)

» Die Doppik-Einführung in Karlsruhe aus Sicht des Gemeinderats - ein Interview mit Michael Obert
   (Interview-Reihe Teil 5/7)

» Die Doppik-Einführung in Dreieich aus Sicht des Gemeinderats - ein Interview mit Rainer Jakobi
   (Interview-Reihe Teil 6/7)

» Die Doppik-Einführung in Hallbergmoos aus Sicht des Gemeinderats - ein Interview mit Karl-Heinz
   Zenker (Interview-Reihe Teil 7/7)




©  Andreas Burth, Marc Gnädinger