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HaushaltsSteuerung.de » Themen » Staatsverschuldung in Deutschland » Gesamte öffentliche Verschuldung in Deutschland

Staatsverschuldung in Deutschland
2. August 2016



Gesamt Bund GSV BW BY BE BB HB HH HE MV NI NW RP SL SN ST SH TH



Deutschland (gesamt) Bundesländer Kommunen


Gesamte öffentliche Verschuldung in Deutschland


Auf dieser Seite finden Sie Informationen zum Stand sowie zur Entwicklung der öffentlichen Verschuldung Deutschlands. Sofern nicht anders angegeben, betreffen die Schuldendaten stets die Gesamtheit von Bund, Ländern, Kommunen und gesetzlicher Sozialversicherung in der Bundesrepublik Deutschland (BRD).

Neben den Schulden in den Kernhaushalten von Bund, Ländern, Kommunen und gesetzlicher Sozialversicherung werden stets auch die Schulden der Auslagerungen (Extrahaushalte und sonstige FEUs) abgedeckt. Erfasst werden nur die Jahre ab 2010. Grund hierfür ist, dass die verwendete Schuldenstatistik des Statistischen Bundesamtes für die Jahre bis 2009 insbesondere keine Daten zu den Schulden der sonstigen FEUs berichtet. Hinzu kommen weitere methodische Änderungen, die Vergleiche der Jahre bis 2009 mit den Jahren ab 2010 erheblich erschweren.

Inhaltsübersicht:
I. Gesamte Verschuldung von Bund, Ländern, Kommunen und gesetzlicher Sozialversicherung
II. Gläubiger der öffentlichen Verschuldung
III. Verortung der öffentlichen Verschuldung
IV. Öffentliche Kassenkreditschulden
V. Weitere Informationen



I. Gesamte Verschuldung von Bund, Ländern, Kommunen und gesetzlicher Sozialversicherung

Aus Tabelle 1 ist die Entwicklung der gesamten Schulden in den Kernhaushalten, Extrahaushalten und sonstigen FEUs ersichtlich, die sich Bund, Länder, Kommunen und gesetzliche Sozialversicherung aufgebürdet haben. Erfasst sind die Schulden beim öffentlichen Bereich (Kredite und Kassenkredite beim öffentlichen Bereich) und die Schulden beim nicht-öffentlichen Bereich (Wertpapierschulden, Kredite und Kassenkredite beim nicht-öffentlichen Bereich). Die Summe aus den Schulden beim öffentlichen Bereich und den Schulden beim nicht-öffentlichen Bereich bezeichnet man auch als Geldschulden.

Ergänzend werden nachrichtlich auch die gewährten Bürgschaften und die eingegangenen kreditähnlichen Rechtsgeschäfte der Gesamtheit von Bund, Ländern, Kommunen und gesetzlicher Sozialversicherung berichtet, wobei hier nur die Kern- und Extrahaushalte erfasst sind. Entsprechende Daten zu den sonstigen FEUs liegen nicht vor. Bürgschaften sind Eventualverbindlichkeiten, die möglicherweise (aber nicht mit Sicherheit) zu echten Zahlungsverpflichtungen werden. Bei Bund und Ländern sind im Wert zur Höhe der Bürgschaften auch die Garantien und sonstigen Gewährleistungen (z.B. Wechselbürgschaften, Schuldmitübernahmen, Kreditaufträge nach § 778 BGB, Garantieverträge, Gewährleistungsverträge) der jeweiligen Kernhaushalte enthalten. Unter die kreditähnlichen Rechtsgeschäfte fallen z.B. Hypotheken-, Grund- und Rentenschulden, Restkaufgelder oder Leasingverträge. Die Untersuchung der Bürgschaften und kreditähnlichen Rechtsgeschäfte von Bund, Ländern, Kommunen und gesetzlicher Sozialversicherung beschränkt sich auf den vorliegenden Abschnitt I. In den Abschnitten II, III und IV werden sie nicht weiter betrachtet.

Zu beachten ist, dass die hier angebotenen Daten nicht die vollständige Verschuldung von Bund, Ländern, Kommunen und gesetzlicher Sozialversicherung abdecken. Nicht erfasst sind v.a. die Rückstellungen (z.B. für die Pensionen von Beamten), da diese statistisch nicht berichtet werden. Die hier analysierten Schuldendaten decken mit den gesamten öffentlichen Geldschulden insofern nur einen Teil der eigentlichen Gesamtverschuldung ab. Die genaue Höhe der eigentlichen Gesamtverschuldung (inkl. Rückstellungen etc.) ist mangels flächendeckender Einführung der sog. Doppik nur in einem Teil Deutschlands bekannt. Entnommen werden können sie in doppisch rechnenden Körperschaften der Bilanz (Kernhaushalt) bzw. der Konzernbilanz (Kernhaushalt zzgl. Auslagerungen), die Teil des Jahresabschlusses (Kernhaushalt) bzw. des Gesamt-/Konzernabschlusses (Kernhaushalt zzgl. Auslagerungen) sind.

Jahr Gesamte Schulden (beim öffentlichen und nicht-öffentlichen Bereich) Bürgschaften Kreditähnliche
Rechtsgeschäfte
(ohne ÖPP-Projekte)
Einwohner zum 30.6. (ab 2012 auf Basis des Zensus 2011)
in Mrd.
Euro
in Euro je
Einwohner
in Mrd.
Euro
in Euro je
Einwohner
in Mrd.
Euro
in Euro je
Einwohner
2010 2.727,06 33.358 555,42 6.794 2,12 26 81.750.716
2011 2.790,97 34.133 556,61 6.807 2,15 26 81.767.982
2012 2.846,58 35.406 612,09 7.613 1,98 25 80.399.253
2013 2.815,97 34.944 616,94 7.656 2,12 26 80.585.684
2014 2.819,62 34.842 601,29 7.430 2,09 26 80.925.031
2015 2.813,53 34.539 600,67 7.374 2,11 26 81.458.978
Tabelle 1: Entwicklung der öffentlichen Gesamtverschuldung, Bürgschaften und kreditähnlichen Rechtsgeschäfte der Gesamtheit aus Bund, Ländern, Kommunen und gesetzlicher Sozialversicherung in Deutschland (jeweils zum 31.12. des betreffenden Jahres)
Quelle: Eigene Darstellung (Daten entnommen aus: Statistisches Bundesamt, Statistiken über die Schulden der öffentlichen Haushalte ab 2010 (Fachserie 14 Reihe 5), Wiesbaden); zugrundegelegte Einwohnerzahlen bis 2011 auf Basis früherer Zählungen, ab 2012 auf Grundlage des Zensus 2011 (jeweils zum 30.6. des betreffenden Jahres); Pro-Kopf-Berechnungen mittels der Einwohnerzahlen für die gesamte Bundesrepublik Deutschland (d.h. auch bei kommunalem Anteil)



II. Gläubiger der öffentlichen Verschuldung

Die Schuldenstatistik des Statistischen Bundesamtes ermöglicht eine grobe Kategorisierung der Gläubiger der staatlichen Verschuldung in zwei Gruppen: Bund, Länder, Kommunen und gesetzliche Sozialversicherung in Deutschland können sich demnach entweder bei Einrichtungen des nicht-öffentlichen Bereichs (sog. Schulden beim nicht-öffentlichen Bereich) oder bei anderen Einheiten des öffentlichen Bereichs (sog. Schulden beim öffentlichen Bereich) verschulden. Gläubiger von Schulden beim nicht-öffentlichen Bereich sind z.B. Banken, Sparkassen, Versicherungsunternehmen oder das sonstige Ausland. Gläubiger von Schulden beim öffentlichen Bereich sind z.B. der Bund, ein Bundesland, eine andere Kommune, die gesetzliche Sozialversicherung oder ein öffentliches Unternehmen (Extrahaushalte und sonstige FEUs).

Die beiden Gläubiger-Gruppen sind unterschiedlich zu bewerten, da den Schulden beim öffentlichen Bereich in der Schuldner-Körperschaft in gleicher Höhe Finanzvermögen beim öffentlichen Bereich in der Gläubiger-Körperschaft gegenüberstehen. Schulden beim öffentlichen Bereich sind insofern staatsinterne Schulden, d.h. ein Teil des Staates verschuldet sich bei einem anderen Teil des Staates.

Jahr Gesamte Schulden (beim öffentlichen und nicht-öffentlichen Bereich) davon:
Schulden beim nicht-öffentlichen Bereich
davon:
Schulden beim öffentlichen Bereich
Anteil der Schulden beim nicht-öffentlichen Bereich an den gesamten Schulden
in Mrd.
Euro
in Euro je
Einwohner
in Mrd.
Euro
in Euro je
Einwohner
in Mrd.
Euro
in Euro je
Einwohner
in Prozent
2010 2.727,06 33.358 2.590,96 31.693 136,10 1.665 95,01
2011 2.790,97 34.133 2.665,39 32.597 125,58 1.536 95,50
2012 2.846,58 35.406 2.697,67 33.553 148,91 1.852 94,77
2013 2.815,97 34.944 2.645,79 32.832 170,17 2.112 93,96
2014 2.819,62 34.842 2.665,42 32.937 154,20 1.905 94,53
2015 2.813,53 34.539 2.644,73 32.467 168,81 2.072 94,00
Tabelle 2: Entwicklung der öffentlichen Verschuldung der Gesamtheit aus Bund, Ländern, Kommunen und gesetzlicher Sozialversicherung in Deutschland nach den Gläubiger-Gruppen des öffentlichen und des nicht-öffentlichen Bereichs (jeweils zum 31.12. des betreffenden Jahres)
Quelle: Eigene Darstellung (Daten entnommen aus: Statistisches Bundesamt, Statistiken über die Schulden der öffentlichen Haushalte ab 2010 (Fachserie 14 Reihe 5), Wiesbaden); zugrundegelegte Einwohnerzahlen bis 2011 auf Basis früherer Zählungen, ab 2012 auf Grundlage des Zensus 2011 (jeweils zum 30.6. des betreffenden Jahres); Pro-Kopf-Berechnungen mittels der Einwohnerzahlen für die gesamte Bundesrepublik Deutschland (d.h. auch bei kommunalem Anteil)



III. Verortung der öffentlichen Verschuldung

Hinsichtlich der Frage nach der Verortung der Verschuldung kann erstens zwischen Ebenen/Teilsektoren (Bund, Länder, Kommunen, gesetzliche Sozialversicherung) und zweitens zwischen ausgegliederten und nicht ausgegliederten Schulden (Schulden in Kernhaushalten vs. Schulden in Auslagerungen) differenziert werden.

Tabelle 3 enthält Daten zur Verschuldung nach Ebenen/Teilsektoren. Die Statistik erlaubt eine Unterscheidung zwischen vier Ebenen/Teilsektoren: Bund, Bundesländer, Kommunen und gesetzliche Sozialversicherung. Die Gegenüberstellung zeigt auf, welcher Ebene bzw. welchem Teilsektor der Großteil der Verschuldung zuzurechnen ist.

Für direkte Vergleiche zwischen den einzelnen Ebenen/Teilsektoren sei darauf verwiesen, dass diese unterschiedliche Aufgabenportfolios haben. Aus verschiedenen Aufgabenportfolios erwachsen Unterschiede in den Ausgabenotwendigkeiten und Einnahmemöglichkeiten, die sich auch in abweichende Schuldenniveaus niederschlagen können. Hinzu kommt der Sonderfall der Stadtstaaten, die zu den Bundesländern gerechnet werden. In den Schulden der Bundesländer sind damit auch originär kommunale Aufgaben enthalten. Ferner haben die Kommunen der Flächenländer in ihrer Summe aufgrund der fehlenden Stadtstaaten eine geringere Einwohnerzahl zu bedienen als die anderen drei Ebenen/Teilsektoren. Die zuvor beispielhaft genannten Punkte erschweren ebenen- bzw. teilsektorübergreifende Vergleiche erheblich.

Jahr Gesamte Schulden
(beim öffentlichen und nicht-öffentlichen Bereich)
davon:
Schulden des Bundes
davon:
Schulden der Bundesländer
davon:
Schulden der Kommunen der Flächenländer
davon:
Schulden der gesetzlichen Sozial- versicherung
in Mrd.
Euro
in Euro je
Einwohner
in Mrd.
Euro
in Mrd.
Euro
in Mrd.
Euro
in Mrd.
Euro
2010 2.727,06 33.358 1.757,16 670,71 298,27 0,92
2011 2.790,97 34.133 1.793,04 689,80 306,71 1,42
2012 2.846,58 35.406 1.800,13 721,89 315,73 8,83
2013 2.815,97 34.944 1.781,36 704,40 320,55 9,65
2014 2.819,62 34.842 1.780,35 700,92 328,88 9,47
2015 2.813,53 34.539 1.777,28 695,22 332,30 8,74
Tabelle 3: Entwicklung der öffentlichen Verschuldung der Bundesrepublik Deutschland nach Ebenen/Teilsektoren (Bund, Länder, Kommunen, gesetzliche Sozialversicherung) (jeweils zum 31.12. des betreffenden Jahres)
Quelle: Eigene Darstellung (Daten entnommen aus: Statistisches Bundesamt, Statistiken über die Schulden der öffentlichen Haushalte ab 2010 (Fachserie 14 Reihe 5), Wiesbaden); zugrundegelegte Einwohnerzahlen bis 2011 auf Basis früherer Zählungen, ab 2012 auf Grundlage des Zensus 2011 (jeweils zum 30.6. des betreffenden Jahres); Pro-Kopf-Berechnungen mittels der Einwohnerzahlen für die gesamte Bundesrepublik Deutschland (d.h. auch bei kommunalem Anteil); Schulden der Bundesländer (Stadtstaaten und Flächenländer) beinhalten nicht die Schulden der Kommunen der Flächenländer

Bund, Länder, Kommunen und gesetzliche Sozialversicherung nehmen ihre Aufgaben nicht nur im Kernhaushalt wahr, sondern bedienen sich dazu auch öffentlichen Fonds, Einrichtungen und Unternehmen (FEUs), wobei bei den FEUs unterschieden wird zwischen Extrahaushalten und sonstigen FEUs. Insofern können sich Bund, Länder, Kommunen und gesetzliche Sozialversicherung auch in verschiedenen Einheiten verschulden. Aufgenommen werden können die Schulden im Kernhaushalt, in den Extrahaushalten oder in den sonstigen FEUs. Typische Extrahaushalte sind z.B. ausgegliederte Statistische Ämter und öffentliche Hochschulen. Unter die sonstigen FEUs fallen z.B. ausgegliederte Krankenhäuser, Ver-/Entsorgungsunternehmen und Verkehrsunternehmen. Wirtschaftlich sind die Schulden der Extrahaushalte und sonstigen FEUs genauso der jeweiligen Körperschaft (Bund, Land, Kommune, gesetzliche Sozialversicherung) zuzurechnen wie die Schulden im Kernhaushalt. Die Summe aus Kernhaushalten, Extrahaushalten und sonstigen FEUs heißt öffentlicher Bereich.

Die Differenzierung der Auslagerungen in Extrahaushalte und sonstige FEUs ist vornehmlich für die Bestimmung des Maastricht-Schuldenstandes relevant. Der Schuldenstand nach Maastricht-Vertrag erfasst nur die Schulden von Kern- und Extrahaushalten, nicht aber die Schulden der sonstigen FEUs. Der Maastricht-Schuldenstand ist insofern niedriger als der Gesamtschuldenstand nach deutscher Schuldenstatistik. Ein detailliertes Informationsangebot zur Staatsverschuldung der EU-Staaten nach Maastricht-Vertrag (inkl. Deutschland) finden Sie in den Rubriken "Staatsverschuldung in der EU" und "Schuldenuhren der EU-Mitgliedsstaaten".

Die Unterscheidung zwischen Schulden im Kernhaushalt und Schulden in Auslagerungen (Extrahaushalte und sonstige FEUs) ist bedeutsam, da die Schulden in Auslagerungen tendenziell stärker vor dem Blick von Verwaltungsführung, Politik und Öffentlichkeit "versteckt" sind. Man spricht in diesem Kontext z.T. auch von Schulden in "Schattenhaushalten". Der prozentuale Anteil der in Auslagerungen verorteten Schulden wird als Auslagerungsgrad bezeichnet.

Jahr Gesamte Schulden (beim öffentlichen und nicht-öffentlichen Bereich) davon:
Schulden in den Kernhaushalten
davon:
Schulden in den Auslagerungen (Extrahaushalte und sonstige FEUs)
Anteil der ausgelagerten Schulden an den gesamten Schulden
in Mrd.
Euro
in Euro je
Einwohner
in Mrd.
Euro
in Euro je
Einwohner
in Mrd.
Euro
in Euro je
Einwohner
in Prozent
2010 2.727,06 33.358 1.700,75 20.804 1.026,30 12.554 37,63
2011 2.790,97 34.133 1.725,22 21.099 1.065,75 13.034 38,19
2012 2.846,58 35.406 1.763,30 21.932 1.083,28 13.474 38,06
2013 2.815,97 34.944 1.792,02 22.237 1.023,95 12.706 36,36
2014 2.819,62 34.842 1.797,47 22.212 1.022,15 12.631 36,25
2015 2.813,53 34.539 1.781,32 21.868 1.032,21 12.672 36,69
Tabelle 4: Entwicklung der öffentlichen Verschuldung der Gesamtheit aus Bund, Ländern, Kommunen und gesetzlicher Sozialversicherung in Deutschland nach der Verortung der Schulden (Kernhaushalte vs. Auslagerungen) (jeweils zum 31.12. des betreffenden Jahres)
Quelle: Eigene Darstellung (Daten entnommen aus: Statistisches Bundesamt, Statistiken über die Schulden der öffentlichen Haushalte ab 2010 (Fachserie 14 Reihe 5), Wiesbaden); zugrundegelegte Einwohnerzahlen bis 2011 auf Basis früherer Zählungen, ab 2012 auf Grundlage des Zensus 2011 (jeweils zum 30.6. des betreffenden Jahres); Pro-Kopf-Berechnungen mittels der Einwohnerzahlen für die gesamte Bundesrepublik Deutschland (d.h. auch bei kommunalem Anteil)



IV. Öffentliche Kassenkreditschulden

Die Gesamtschuldenlast von Bund, Ländern, Kommunen und gesetzlicher Sozialversicherung untergliedert sich in verschiedene Schuldenarten. Zu nennen sind hier insbesondere die Wertpapierschulden, die (Investitions-)Kredite und die Kassenkredite. Als besonders problematische Verschuldungsform werden gemeinhin die Kassenkredite angesehen. Kassenkredite sind kurzfristige Schulden, deren eigentlicher Zweck die kurzfristige Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit bei laufenden Ausgaben (z.B. Lohn- und Gehaltszahlungen) ist. Sie sollten daher die meiste Zeit des Jahres bei 0,00 Euro je Einwohner liegen. Sie weisen insofern eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Überziehungskredit auf dem Girokonto einer Privatperson auf, wobei die Zinssätze für Kassenkredite für die öffentliche Hand aufgrund des geringen Ausfallrisikos zumeist relativ niedrig sind (deutlich niedriger als die Zinsen im Falle einer Überziehung des Girokontos durch eine Privatperson).

Insbesondere in manchen Kommunen werden Kassenkredite nicht mehr zu ihrem eigentlichen Zweck (temporäre Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsengpässe) verwendet, sondern sind zur Dauerfinanzierungseinrichtung geworden. Überdeutlich wird das an denjenigen Kommunen, die dauerhaft hohe Kassenkreditbestände von über 500 oder sogar von über 1.000 Euro je Einwohner aufweisen. Derartig hohe Kassenkreditschulden stellen nicht nur eine Zweckentfremdung dar - sie zeigen auch auf, dass in der Vergangenheit über die eigenen Verhältnisse gewirtschaftet wurde. Je höher das Kassenkreditniveau, desto exzessiver war das Ausmaß des Lebens über die eigenen Verhältnisse.

An weiter steigenden Kassenkreditniveaus ist abzulesen, dass dieses Leben über die eigenen Verhältnisse aktuell noch immer andauert. Die Lasten zur Finanzierung des heutigen Leistungsangebots werden mithin auf künftige Generationen übertragen. Im Gegensatz zu Wertpapierschulden und (Investitions-)Krediten sind die Kassenkreditschulden auch nicht durch investive Vermögenswerte (z.B. Brücke, Hochschulgebäude) gedeckt, sondern werden in voller Höhe für konsumtive Zwecke (z.B. Personalausgaben) verausgabt. Kassenkreditbestände sind mithin ein Indiz für Finanzprobleme. Eines der wichtigsten haushaltspolitischen Ziele muss die dauerhafte Kassenkreditschuldenfreiheit sein. Für die kurzfristige Liquiditätssicherung sollten eher Mindestliquiditätsreserven (z.B. in Form von Sichteinlagen) vorgehalten werden.

Manche Kommunen haben inzwischen damit begonnen, längerfristige Kassenkredite aufzunehmen (z.B. mit einer Laufzeit von fünf, zehn oder 20 Jahren). Problematisch hieran ist, dass von langfristigen Kassenkrediten das psychologische Signal der "Nicht-Konsolidierbarkeit des Haushalts auf absehbare Zeit" ausgehen kann. Dies kann verminderte Sparanstrengungen zur Folge haben, wodurch die Kassenkredite und damit auch die Finanzierungslast für künftige Generationen weiter wachsen.

Einige Kommune verweisen als Begründung für hohe Kassenkreditbestände auf die schlechten Rahmenbedingungen (z.B. geringe Steuereinnahmen, großer Bevölkerungsrückgang, hohe soziale Lasten, starke Zersiedelung). Tatsächlich ist es selbst unter schwierigen Rahmenbedingungen möglich, einen Haushalt ohne Kassenkredite zu führen. Dies belegen die zahlreichen Kommunen in ganz Deutschland, die trotz problematischster Rahmenbedingungen in ihrem Haushalt ohne die Nutzung von dauerhaften Kassenkrediten auskommen. Beispielhaft sei auf die nachfolgend verlinkten Beiträge auf HaushaltsSteuerung.de verwiesen.

- Steuerschwache Gemeinden in Hessen ohne Kassenkreditschulden (Blog-Eintrag vom 4.
  September 2015)

- Kassenkreditfreie Gemeinden in Nordrhein-Westfalen mit geringer Steuereinnahmekraft
  (Blog-Eintrag vom 6. September 2015)

- Kreisangehörige NRW-Gemeinden ohne Kassenkredite trotz schwieriger Rahmenbedingungen
  im Sozialbereich (Blog-Eintrag vom 8. September 2015)

- Gemeinden in Nordrhein-Westfalen ohne Kassenkredite trotz eines starken
  Bevölkerungsrückgangs (Blog-Eintrag vom 11. September 2015)

- Kassenkreditschulden der Städte und Gemeinden in Sachsen (Blog-Eintrag vom 16. September
  2015)


Tabelle 5 enthält Daten zur Höhe der Kassenkreditschulden, die sich die Gesamtheit aus Bund, Ländern, Kommunen und gesetzlicher Sozialversicherung aufgebürdet hat. Aus Gründen der Datenverfügbarkeit sind allerdings nur die in den Kern- und Extrahaushalten aufgenommenen Kassenkredite erfasst. Werte zu den Kassenkrediten, die von den sonstigen FEUs aufgenommen worden sind, werden vom Statistischen Bundesamt nicht berichtet.

Jahr Gesamte Schulden (beim öffentlichen und nicht-öffentlichen Bereich) darunter:
Kassenkredite beim nicht-öffentlichen Bereich
darunter:
Kassenkredite beim öffentlichen Bereich
Anteil der Kassenkredite an den gesamten Schulden
in Mrd.
Euro
in Euro je
Einwohner
in Mrd.
Euro
in Euro je
Einwohner
in Mrd.
Euro
in Euro je
Einwohner
in Prozent
2010 2.727,06 33.358 60,39 739 4,02 49 2,36
2011 2.790,97 34.133 55,14 674 4,31 53 2,13
2012 2.846,58 35.406 68,07 847 11,51 143 2,80
2013 2.815,97 34.944 71,36 886 16,61 206 3,12
2014 2.819,62 34.842 75,71 936 14,67 181 3,21
2015 2.813,53 34.539 69,24 850 21,54 264 3,23
Tabelle 5: Entwicklung der öffentlichen Kassenkreditschulden in den Kern- und Extrahaushalten der Gesamtheit aus Bund, Ländern, Kommunen und gesetzlicher Sozialversicherung in Deutschland beim öffentlichen und beim nicht-öffentlichen Bereich (jeweils zum 31.12. des betreffenden Jahres)
Quelle: Eigene Darstellung (Daten entnommen aus: Statistisches Bundesamt, Statistiken über die Schulden der öffentlichen Haushalte ab 2010 (Fachserie 14 Reihe 5), Wiesbaden); zugrundegelegte Einwohnerzahlen bis 2011 auf Basis früherer Zählungen, ab 2012 auf Grundlage des Zensus 2011 (jeweils zum 30.6. des betreffenden Jahres)



V. Weitere Informationen:

Blog-Einträge zu den Staatsschulden Deutschlands:
- Entwicklung der rechnerischen Durchschnittszinssätze von Bund, Ländern und Kommunen in
  Deutschland seit 2001 (Blog-Eintrag vom 30.10.2016)

- Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen von Bund, Ländern, Kommunen und
  gesetzlicher Sozialversicherung zum 31.12.2015 (Blog-Eintrag vom 15.8.2016)

- Fälligkeitsstruktur und variabel verzinster Anteil der deutschen Staatsschulden (Blog-Eintrag
  vom 9.6.2016)

- Rechnerische Durchschnittszinssätze der Schulden von Bund, Ländern und Kommunen in
  Deutschland (Blog-Eintrag vom 7.6.2016)

- Gläubiger des deutschen Staates: Bei wem hat sich Deutschland verschuldet? (Blog-Eintrag
  vom 28.5.2016)

- Zinssätze langfristiger staatlicher Schuldverschreibungen in den EU-Staaten im Vergleich
  (Blog-Eintrag vom 20.5.2016)

- Zinsausgaben der öffentlichen Haushalte in Deutschland (Blog-Eintrag vom 19.5.2016)
- Schulden-Einnahmen-Verhältnis von Bund, Ländern und Kommunen in Deutschland
  (Blog-Eintrag vom 8.5.2016)

- Notleidende Kredite von Bund, Ländern, Kommunen und gesetzlicher Sozialversicherung in
  den Jahren 2013 und 2014 (Blog-Eintrag vom 4.2.2016)

- Haushaltsüberwachung durch den Stabilitätsrat auf Basis der Stabilitätsberichte 2015 von
  Bund und Ländern (Blog-Eintrag vom 2.1.2016)

- Zinsausgaben 2014 von Bund, Ländern und Kommunen in Prozent der jeweiligen Schulden
  zum 31.12.2014 (Blog-Eintrag vom 14.10.2015)

- Pro-Kopf-Primärsaldo und Pro-Kopf-Zinsausgaben 2014 von Bund, Ländern und Kommunen in
  Deutschland (Blog-Eintrag vom 7.7.2015)

- Vergleich der Schulden von Bund, Ländern und Kommunen (Blog-Eintrag vom 22.6.2015)
- Höhe der Zinsen auf die Staatsverschuldung von Deutschland, Österreich und den übrigen
  EU-Staaten (Blog-Eintrag vom 8.12.2013)

- Staatsverschuldung in der EU nach Teilsektoren/Ebenen gemäß Eurostat-Statistik (Blog-Eintrag
  vom 5.12.2013)

- Historische Entwicklung der Staatsverschuldung in Deutschland seit 1950 als Tabelle (Blog-Eintrag
  vom 19.11.2013)

- Gläubiger der Staatsverschuldung von Deutschland im Überblick (Blog-Eintrag vom 15.11.2013)

Allgemeine Informationen zu den Themen Verschuldung und Haushaltskonsolidierung:
- Zinsuhr zu den staatlichen Zinsausgaben von Deutschland
- Staatsverschuldung in der Europäischen Union (EU)
- Schuldenuhren der EU-Mitgliedsstaaten
- Blog-Einträge zum Thema "Schuldenfreie Kommunen"
- Blog-Einträge zum Thema "Verschuldung & Haushaltskonsolidierung"
- Aufsätze zum Thema "Haushaltskonsolidierung & Verschuldung"
- Vorträge/Präsentationen zum Thema "Haushaltskonsolidierung & Verschuldung"
- Artikel von HaushaltsSteuerung.de zum Thema "Haushaltskonsolidierung"
- Zitate zum Thema "Schulden | Staatsverschuldung"
- Linksammlung zu kommunalen Haushaltssicherungskonzepten

Linksammlungen zu Finanz-Dokumenten von Bund, Ländern und Kommunen:
- Links zu den Haushaltsplänen des Bundes
- Links zu den Haushaltsplänen der 16 Bundesländer
- Links zu kommunalen Haushaltsplänen (Doppik)
- Links zu den mittelfristigen Finanzplänen von Bund und Ländern
- Links zu Eröffnungsbilanzen (Doppik) von Bundesländern und Kommunen
- Links zu Jahresabschlüssen (Doppik) von Bundesländern und Kommunen
- Links zu Gesamt-/Konzernabschlüssen (Doppik) von Bundesländern und Kommunen





Quellen:
- Statistisches Bundesamt: Schulden der öffentlichen Haushalte 2015 (Fachserie 14 Reihe 5), Wiesbaden.
- Statistisches Bundesamt: Schulden der öffentlichen Haushalte 2014 (Fachserie 14 Reihe 5), Wiesbaden.
- Statistisches Bundesamt: Schulden der öffentlichen Haushalte 2013 (Fachserie 14 Reihe 5), Wiesbaden.
- Statistisches Bundesamt: Schulden der öffentlichen Haushalte 2012 (Fachserie 14 Reihe 5), Wiesbaden.
- Statistisches Bundesamt: Schulden der öffentlichen Haushalte 2011 (Fachserie 14 Reihe 5), Wiesbaden.
- Statistisches Bundesamt: Schulden der öffentlichen Haushalte 2010 (Fachserie 14 Reihe 5), Wiesbaden.

Hinweise zur Interpretation der Daten:
» Methodische Hinweise zur Staatsverschuldung in Deutschland

Definitionen zu den verwendeten Fachbegriffen:
» Lexikon zur öffentlichen Haushalts- und Finanzwirtschaft


©  Andreas Burth, Marc Gnädinger