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HaushaltsSteuerung.de » Weblog » Entwicklung der deutschen Kommunalschulden in Prozent der kommunalen Einnahmen

Entwicklung der deutschen Kommunalschulden in Prozent der kommunalen Einnahmen
27. April 2017  |  Autor: Andreas Burth



Zur Beurteilung der deutschen Kommunalverschuldung werden auf HaushaltsSteuerung.de häufig (innerdeutsche) Ländervergleiche oder interkommunale Vergleiche durchgeführt. Ebenso interessant ist jedoch ein Vergleich mit den Kommunen der anderen EU-Staaten. Für einen solchen EU-Vergleich bietet es sich an, die Schulden ins Verhältnis zu den Einnahmen zu setzen. Hierdurch können z.B. Unterschiede im kommunalen Aufgabenvolumen indirekt Berücksichtigung finden. Unter Nutzung neuer Eurostat-Daten analysiert der vorliegende Beitrag das Schulden-Einnahmen-Verhältnis der Kommunen. Betrachtet werden die zeitliche Entwicklung von 2001 bis 2016 und der EU-Vergleich für das Jahr 2016.

Überblick:
- Methodische Anmerkungen
- Entwicklung von 2001 bis 2016
- EU-Vergleich 2016
- Weitere Informationen



Methodische Anmerkungen

Dieser Beitrag setzt die Kommunalschulden zum 31.12. des jeweiligen Jahres ins prozentuale Verhältnis zu den kommunalen Einnahmen des Jahres. Erfasst sind jeweils die Kern- und Extrahaushalte. Als Datenquelle fungieren die Online-Datenbanken von Eurostat.

Die Kennzahl "Schulden in Prozent der Einnahmen" ist gewählt worden, da insbesondere Pro-Kopf-Vergleiche und Vergleiche in Prozent des BIP bei der Analyse einzelner Ebenen/Teilsektoren (Bund/Zentralstaat, Gliedstaaten, Kommunen, Sozialversicherung) dahingehend limitiert sind, als dass sie Unterschiede im Aufgabenvolumen der jeweiligen Ebene bzw. des jeweiligen Teilsektors unberücksichtigt lassen. Besonders problematisch ist dies potenziell im Vergleich von bundesstaatlich aufgebauten EU-Mitgliedern (Belgien, Deutschland, Österreich, Spanien) mit zentralstaatlich organisierten EU-Mitgliedern (alle übrigen 24 EU-Staaten).

Ein EU-Vergleich auf Basis der Kommunalschulden in Prozent der kommunalen Einnahmen hat konkret insbesondere nachfolgende Vorteile:
  • Unterschiede in der Wirtschaftskraft werden über das Volumen der kommunalen Einnahmen indirekt berücksichtigt (je höher das Bruttoinlandsprodukt ist, desto höher fallen tendenziell auch die generierten Einnahmen aus)
  • Einwohnerunterschiede verzerren die Kenngröße nicht (die Einwohnerzahl lässt sich gewissermaßen herauskürzen)
  • Die kommunalen Einnahmen sind (neben den kommunalen Ausgaben) ein Spiegelbild des kommunalen Aufgabenportfolios im jeweiligen EU-Mitgliedsstaat (Unterschiede in der Aufgabenverteilung werden somit in der Kennzahl mittelbar berücksichtigt)
  • Die Einnahmen als Referenzgröße für die Schulden geben Hinweise im Hinblick auf die "Finanzierbarkeit" der Schulden
  • Bei Zeitvergleichen (hier: Vorjahresvergleich) wird die jährliche Preissteigerung indirekt berücksichtigt, da die Inflation alle Geldgrößen (hier: Schulden und Einnahmen) in gleichem Maße betrifft (die jährliche Inflationsrate lässt sich quasi herauskürzen)
Um den Zeitvergleich in Abbildung 1 zu realisieren, sind für die Jahre bis 2012 Daten nach ESVG 1995 und für die Jahre ab 2013 Daten nach ESVG 2010 verwendet worden. Grund für dieses Vorgehen ist, dass Daten nach ESVG 2010 z.T. erst für die Jahre ab 2013 bei Eurostat abrufbar sind.



Entwicklung von 2001 bis 2016

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung des Schulden-Einnahmen-Verhältnisses von 2001 bis 2016. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird Deutschland dabei nur mit den anderen großen EU-Staaten (Frankreich, Italien, Spanien und Vereinigtes Königreich) sowie mit der Gesamtheit der 28 EU-Staaten (EU-28) verglichen.

Im Betrachtungszeitraum ist für die deutschen Kommunen eine Tendenz zu einem fallenden Schulden-Einnahmen-Verhältnis festzustellen. Lediglich zu Beginn des Jahrtausends und infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 sind signifikante Verschlechterungen in der Kennzahl festzustellen. Im Vergleich zu den übrigen großen EU-Staaten ist die deutsche Kommunalverschuldung als hoch einzustufen. Die deutschen Kommunen näherten sich in den letzten Jahren jedoch dem Durchschnitt an. Der große EU-Staat mit den höchsten Kommunalschulden in Prozent der Einnahmen ist seit 2007 Frankreich. Das Vereinigte Königreich hatte in den meisten Jahren das geringste Schulden-Einnahmen-Verhältnis der großen EU-Staaten.

Entwicklung der Kommunalschulden in Prozent der kommunalen Einnahmen in den Jahren 2001 bis 2016 für die großen EU-Staaten und die EU-28



EU-Vergleich 2016

Im Jahr 2016 belegen die deutschen Kommunen mit 60,0 Prozent der Einnahmen den sechsten Platz im Schulden-Ranking (im Vorjahr waren es 63,6 Prozent). Höher verschuldet sind nur die Kommunen von Zypern, Portugal, Frankreich, Belgien und Irland. Am geringsten verschuldet sind die Kommunen von Ungarn, Malta und Kroatien. Die Kommunen des Krisenstaats Griechenland sind unterdurchschnittlich stark verschuldet. Die Finanzprobleme Griechenlands liegen v.a. beim Zentralstaat.

Ranking über die Kommunalschulden in Prozent der kommunalen Einnahmen in den 28 EU-Staaten im Jahr 2016



Weitere Informationen

Weiterführende Informationen zur Kommunal- und Staatsverschuldung in Deutschland sowie in den anderen EU-Staaten finden Sie auf HaushaltsSteuerung.de z.B. über die nachfolgenden Links.

» Verschuldung der Kommunen der Flächenländer in Deutschland
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de

» Blog-Einträge zum Thema "Schuldenfreie Kommunen"
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de

» Schuldenuhren der EU-Mitgliedsstaaten
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de

» Staatsverschuldung in der Europäischen Union (EU)´
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de





©  Andreas Burth, Marc Gnädinger