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HaushaltsSteuerung.de » Weblog » Pro-Kopf-Kassenkredite der kreisfreien Städte 2012 bis 2015

Pro-Kopf-Kassenkredite der kreisfreien Städte 2012 bis 2015
16. Februar 2017  |  Autor: Andreas Burth



Ein relativ häufig untersuchtes Thema in den Blog-Einträgen auf HaushaltsSteuerung.de sind die kommunalen Kassenkredite. Neben Ländervergleichen werden regelmäßig auch interkommunale Vergleiche durchgeführt. Ein solcher interkommunaler Vergleich ist auch Gegenstand des vorliegenden Beitrags. Der Fokus liegt auf den Kassenkrediten in den Kernhaushalten der 103 kreisfreien Städte der Flächenländer. Untersucht werden die Jahre 2012 bis 2015.

Überblick:
- Methodische Anmerkungen
- Kreisfreie Städte ab 500.000 Einwohnern
- Kreisfreie Städte mit 200.000 bis 499.999 Einwohnern
- Kreisfreie Städte mit 100.000 bis 199.999 Einwohnern
- Kreisfreie Städte mit 50.000 bis 99.999 Einwohnern
- Kreisfreie Städte mit bis zu 49.999 Einwohnern
- Weitere Informationen



Methodische Anmerkungen

Die verwendeten Daten sind der GENESIS-Online Regionaldatenbank der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder entnommen worden. Abgedeckt werden darin die Kassenkredite, die die Kernhaushalte beim öffentlichen Bereich und beim nicht-öffentlichen Bereich aufgenommen haben. Die aktuellsten verfügbaren Daten beziehen sich auf den 31.12.2015. Betrachtet werden zudem die Stichtage 31.12.2012, 31.12.2013 und 31.12.2014.

Insgesamt gibt es in den Flächenländern 103 kreisfreie Städte (in Baden-Württemberg heißen sie auch Stadtkreise). Die vier kreisfreien Städte der Stadtstaaten (Berlin, Bremen, Bremerhaven und Hamburg) werden in diesem Beitrag aufgrund von mangelnder Vergleichbarkeit nicht untersucht. Die Großstädte Aachen, Hannover und Saarbrücken werden hier aufgrund ihrer Regionszugehörigkeit nicht zu den kreisfreien Städten, sondern zu den kreisangehörigen Städten gezählt. Das Saarland ist das einzige Flächenland, in dem es keine kreisfreien Städte gibt.

Die Spannweite bei den Einwohnerzahlen der kreisfreien Städte reicht zum 31.12.2015 von 34.260 in Zweibrücken bis 1.450.381 in München. Aus großen Unterschieden in der Einwohnerzahl können Vergleichbarkeitsprobleme resultieren. Um die Vergleichbarkeit zwischen den kreisfreien Städten zu steigern, sind fünf Einwohner-Größenklassen gebildet worden.

Die Kassenkredite werden in den Tabellen in Euro je Einwohner ausgewiesen. Die Pro-Kopf-Berechnungen sind für die vier Stichtage jeweils einheitlich mittels der Einwohnerzahlen zum 31.12.2015 durchgeführt worden.

Die kreisfreien Städte können sich auf verschiedene Arten verschulden. Beispiele sind die Investitionskredite, die Wertpapierschulden, die Kassenkredite, die kreditähnlichen Rechtsgeschäfte und die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Auch die Rückstellungen (z.B. für Pensionen) können zu den Schulden gezählt werden. Schulden können die Städte im Kernhaushalt oder in den städtischen Unternehmen aufnehmen. Der vorliegende Beitrag legt den Fokus auf die Kassenkredite im Kernhaushalt.

Kassenkredite gelten gemeinhin als eine besonders problematische Form der Kommunalverschuldung. Bei den Kassenkrediten handelt es sich um Schulden, die eigentlich der kurzfristigen Liquiditätssicherung dienen (ähnlich einem Kontokorrentkredit oder Dispokredit im privaten Bereich). Tatsächlich werden die Kassenkredite jedoch von einigen Kommunen zur Dauerfinanzierung laufender Defizite zweckentfremdet. Dies ist u.a. deshalb problematisch, weil den Kassenkrediten - im Gegensatz zu den Investitionskrediten - keine materiell geschaffenen Vermögenswerte (z.B. Schulgebäude, Brücke) gegenüberstehen. Die in Form von konsumtiven Kassenkrediten angesammelten Lasten werden demnach nachrückenden Generationen aufgebürdet, ohne dass diesen Generationen aus der Verschuldung (z.B. in Form investiv geschaffener Vermögenswerte) ein Vorteil erwächst. Hinzu tritt bei den Kassenkrediten das Problem eines erheblichen Zinsänderungsrisikos, da Kassenkredite meist eine kurze Laufzeit haben. Hohe dauerhafte Kassenkreditbestände (z.B. von 500 Euro je Einwohner oder mehr) sind ein Indikator für ein Wirtschaften über die eigenen Verhältnisse.

Insgesamt belaufen sich die Kassenkreditschulden der 103 kreisfreien Städte zum 31.12.2015 auf 23,82 Mrd. Euro. Dies entspricht 1.169 Euro je Einwohner. Die höchsten absoluten Kassenkredite haben die drei nordrhein-westfälischen Städte Essen (2,03 Mrd. Euro), Duisburg (1,68 Mrd. Euro) und Oberhausen (1,58 Mrd. Euro).

40 Städte sind zum 31.12.2015 kassenkreditfrei. Hiervon gelang es 33 Städten, zu jedem Jahresende von 2012 bis 2015 ohne Kassenkredite auszukommen. Es handelt sich um folgende 33 Städte: Amberg, Ansbach, Aschaffenburg, Baden-Baden, Bamberg, Bayreuth, Braunschweig, Chemnitz, Coburg, Dresden, Emden, Erlangen, Heidelberg, Heilbronn, Ingolstadt, Jena, Kaufbeuren, Kempten (Allgäu), Landshut, Leipzig, Mannheim, Memmingen, München, Passau, Pforzheim, Potsdam, Regensburg, Schwabach, Schweinfurt, Straubing, Stuttgart, Ulm und Wolfsburg.

Im vorliegenden Beitrag wird die Entwicklung der Kassenkredite von 2012 bis 2015 dargestellt. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass ein Abbau der Kassenkredite nicht notwendigerweise durch eigene Konsolidierungserfolge begründet ist. In einigen Ländern existieren landesseitige Programme zur finanziellen Unterstützung konsolidierungsbedürftiger Kommunen. Ein Beispiel ist der kommunale Schutzschirm in Hessen, an dem die kreisfreien Städte Darmstadt, Kassel und Offenbach am Main teilnehmen. Eine Reduktion der Kassenkredite kann insofern auch von einer landesseitigen Übernahme von Kassenkrediten herrühren.



Kreisfreie Städte ab 500.000 Einwohnern

Von den kreisfreien Städten mit mindestens 500.000 Einwohnern sind vier zum 31.12.2015 kassenkreditfrei. Die höchsten Pro-Kopf-Kassenkredite verzeichnet Essen mit 3.491 Euro je Einwohner.

Pro-Kopf-Kassenkredite 2012 bis 2015 in den Kernhaushalten der kreisfreien Städte mit mindestens 500.000 Einwohnern



Kreisfreie Städte mit 200.000 bis 499.999 Einwohnern

In der Größenklasse "200.000 bis 499.999 Einwohner" kommen vier Städte zum 31.12.2015 ohne Kassenkredite aus. Den Höchstwert bei den Kassenkrediten verzeichnet Oberhausen mit 7.502 Euro je Einwohner. Größenklassenübergreifend hat Oberhausen nach Pirmasens die zweithöchsten Pro-Kopf-Kassenkredite der kreisfreien Städte.

Pro-Kopf-Kassenkredite 2012 bis 2015 in den Kernhaushalten der kreisfreien Städte mit 200.000 bis 499.999 Einwohnern



Kreisfreie Städte mit 100.000 bis 199.999 Einwohnern

Von den Städten mit mindestens 100.000, aber weniger als 200.000 Einwohnern sind 13 zum 31.12.2015 kassenkreditfrei. Am höchsten mit Kassenkrediten verschuldet hat sich Hagen mit 5.734 Euro je Einwohner.

Pro-Kopf-Kassenkredite 2012 bis 2015 in den Kernhaushalten der kreisfreien Städte mit 100.000 bis 199.999 Einwohnern



Kreisfreie Städte mit 50.000 bis 99.999 Einwohnern

In der Gruppe der kreisfreien Städte mit 50.000 bis 99.999 Einwohnern verzeichnen neun Städte zum 31.12.2015 keine Kassenkredite im Kernhaushalt. Kaiserslautern hat mit 6.859 Euro je Einwohner die höchsten Kassenkreditschulden dieser Größenklasse.

Pro-Kopf-Kassenkredite 2012 bis 2015 in den Kernhaushalten der kreisfreien Städte mit 50.000 bis 99.999 Einwohnern



Kreisfreie Städte mit bis zu 49.999 Einwohnern

Von den kleinen kreisfreien Städten mit weniger als 50.000 Einwohnern kommen zehn zum 31.12.2015 ohne Kassenkredite aus. Am höchsten mit Kassenkrediten verschuldet hat sich Pirmasens mit 7.906 Euro je Einwohner. Pirmasens bildet zugleich auch den unrühmlichen Spitzenreiter aller kreisfreien Städte der Flächenländer.

Pro-Kopf-Kassenkredite 2012 bis 2015 in den Kernhaushalten der kreisfreien Städte mit bis zu 49.999 Einwohnern



Weitere Informationen

Ergänzende Informationen zu den kommunalen Kassenkrediten können Sie auf HaushaltsSteuerung.de z.B. über nachfolgende Seiten abrufen.

» Historische Entwicklung der kommunalen Kassenkredite seit 1960, Blog-Eintrag vom
    20. November 2016

    Autor: Andreas Burth

» Kommunale Kassenkredite, Blog-Eintrag vom 12. April 2016
    Autor: Andreas Burth

» Grundsteuer-B-Hebesätze und Pro-Kopf-Kassenkredite der kreisfreien Städte,
    Blog-Eintrag vom 2. September 2016

    Autor: Andreas Burth





©  Andreas Burth, Marc Gnädinger