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HaushaltsSteuerung.de » Weblog » Pro-Kopf-Schulden der 16 Bundesländer zum 31.12.2014 im Vergleich

Pro-Kopf-Schulden der 16 Bundesländer zum 31.12.2014 im Vergleich
25. August 2015  |  Autor: Andreas Burth



In einem jüngst auf HaushaltsSteuerung.de publizierten Beitrag sind die Schulden der Kommunen der Flächenländer analysiert worden (Link siehe unten). Darin ist deutlich geworden, dass die Kommunen in umfangreichem Ausmaß Schulden in Form von öffentlichen Fonds, Einrichtungen und (wirtschaftlichen) Unternehmen (FEUs) aus dem kommunalen Kernhaushalt ausgelagert haben. In elf von 13 Flächenländern sind die ausgelagerten Kommunalschulden höher als die Kernhaushaltsschulden. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, kommunale Schuldenstandsvergleiche unter Integration der Ausgliederungen durchzuführen. Reine Kernhaushaltsanalysen verdecken den Blick der Entscheidungsträger und der Öffentlichkeit auf die den öffentlichen Gebietskörperschaften wirtschaftlich ebenfalls zuzurechnenden, in Auslagerungen "versteckten" Schulden.

» Auslagerungsgrad der kommunalen Verschuldung zum 31.12.2014 im Ländervergleich,
    Blog-Eintrag vom 22. August 2015

    Autor: Andreas Burth

Dieser Befund wirft die Frage auf, inwiefern die Situation auf der Ebene der 16 Bundesländer ähnlich gelagert ist. Diese Fragestellung zu untersuchen, ist Ziel des vorliegenden Beitrags. Herangezogen wird hierzu die am 21. August 2015 vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Schuldenstatistik 2014. Abgedeckt werden jeweils die Schulden beim nicht-öffentlichen Bereich und die Schulden beim öffentlichen Bereich (d.h. ohne kreditähnliche Rechtsgeschäfte und ohne Bürgschaften). Berücksichtigt werden nur die Schulden der Länder (d.h. ohne die Schulden der Kommunen). Bei den Auslagerungen/FEUs kann differenziert werden zwischen den Extrahaushalten und den sonstigen FEUs. Die Unterscheidung zwischen diesen beiden Auslagerungstypen entfaltet ihre Relevanz allerdings v.a. im Kontext der Schuldenvorgaben des Maastricht-Vertrags.

Zum Stichtag 31.12.2014 summieren sich die Schulden der 16 Bundesländer auf insgesamt 700,9 Mrd. Euro. Davon entfallen 561,2 Mrd. Euro auf die 13 Flächenländer und 139,8 Mrd. Euro auf die drei Stadtstaaten. Von den Schulden der Flächenländer entfallen 464,5 Mrd. Euro auf die Kernhaushalte (82,78 Prozent), 74,5 Mrd. Euro auf die Extrahaushalte (13,28 Prozent) und 22,1 Mrd. Euro auf die sonstigen FEUs (3,95 Prozent). Bei den Stadtstaaten sind die Kernhaushalte mit 105,1 Mrd. Euro verschuldet (75,17 Prozent), während die Schuldenstände der Extrahaushalte bei 8,2 Mrd. Euro (5,90 Prozent) und die der sonstigen FEUs bei 26,5 Mrd. Euro (18,93 Prozent) liegen. Die ausgelagerten Schulden sind damit auch bei den Ländern relevant, wobei im Falle der Flächenländer die Extrahaushalte und im Falle der Stadtstaaten die sonstigen FEUs bedeutsamer sind.

Flächenländer und Stadtstaaten werden im Folgenden getrennt analysiert. Grund hierfür ist, dass beide Bundeslandtypen unterschiedliche Aufgabenportfolios haben und daher nur sehr eingeschränkt miteinander vergleichbar sind. Stadtstaaten sind dadurch geprägt, dass sie neben den gesamten Landesaufgaben auch sämtliche kommunalen Aufgaben wahrnehmen. Hieraus erwachsen unterschiedliche Möglichkeiten zur Einnahmegenerierung und Notwendigkeiten zur Tätigung von Ausgaben, was sich auch im Schuldenstand niederschlägt.

Den höchsten Schuldenstand aller Flächenländer hat sich mit 16.389 Euro je Einwohner das Saarland aufgebürdet. Auf Platz 2 folgt Nordrhein-Westfalen, das sich zum 31.12.2014 mit 11.073 Euro je Einwohner verschuldet hat. Die niedrigsten Schulden weisen die Länder Bayern (2.160 Euro je Einwohner) und Sachsen (2.248 Euro je Einwohner) aus.

Generell ist auffällig, dass der Anteil der ausgelagerten Schulden in den 13 Flächenländern eher gering ist (im Vergleich zu den Kommunen). Die Spannweite im Auslagerungsgrad reicht auf Landesebene von 0,67 Prozent in Sachsen-Anhalt bis 27,93 Prozent in Nordrhein-Westfalen. Schuldenstandsvergleiche unter Integration der ausgelagerten Schulden sind somit grundsätzlich für die Flächenländer ebenfalls relevant. So ist beispielsweise der Schuldenstand Nordrhein-Westfalens nur mit dem Sachsen-Anhalts sinnvoll vergleichbar, wenn auch die in Auslagerungen verorteten Schulden Berücksichtigung finden. Grundsätzlich sind bei Vergleichen von Flächenländern mindestens die Schulden der Extrahaushalte einzubeziehen. Noch besser ist gleichwohl die zusätzliche Integration der Schulden der sonstigen FEUs.

Ranking zu den Pro-Kopf-Schulden der 13 Flächenländer in Kernhaushalten und Auslagerungen zum 31.12.2014 (in Euro je Einwohner)

Unter den Stadtstaaten hat sich die Freie Hansestadt Bremen mit 36.986 Euro je Einwohner am höchsten verschuldet. Das Land Berlin hat sich zum Stichtag 31.12.2014 mit Schulden im Höhe von 22.319 Euro je Einwohner belastet. In der Freien und Hansestadt Hamburg hat sich ein Schuldenvolumen von inzwischen 22.085 Euro je Einwohner angesammelt.

Der Auslagerungsgrad der Verschuldung ist bei den Stadtstaaten tendenziell höher als bei den Flächenländern (aber noch immer geringer als bei den Kommunen der Flächenländer). Er reicht von 13,17 Prozent in Bremen bis 39,52 Prozent in Hamburg. Der hohe Auslagerungsgrad Hamburgs verdeutlicht für die Stadtstaaten die erhöhte Notwendigkeit der Integration der Schulden der Auslagerungen. Während Hamburg bei einer reinen Kernhaushaltsbetrachtung den mit Abstand niedrigsten Schuldenstand hat, liegt er unter Berücksichtigung der ausgelagerten Schulden nur minimal unter der Schuldenlast Berlins.

Ranking zu den Pro-Kopf-Schulden der drei Stadtstaaten in Kernhaushalten und Auslagerungen zum 31.12.2014 (in Euro je Einwohner)

Informationen zur Verschuldung der Länder können Sie auch unter nachfolgendem Link abrufen.

» Staatsverschuldung in Deutschland
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de





©  Andreas Burth, Marc Gnädinger