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HaushaltsSteuerung.de » Weblog » Pro-Kopf-Schulden der 38 Landkreise in Niedersachsen im Kernhaushalt zum 31.12.2014

Pro-Kopf-Schulden der 38 Landkreise in Niedersachsen im Kernhaushalt zum 31.12.2014
21. April 2016  |  Autor: Andreas Burth



In Ländervergleichen zur Lage der Kommunalfinanzen wird Niedersachsen i.d.R. nicht zur Gruppe der Krisenländer gezählt (siehe Link). Gleichwohl gibt es auch in Niedersachsen einzelne Kommunen, die in der Vergangenheit (deutlich) über ihre Verhältnisse gelebt haben. Für die kreisfreien Städte und die kreisangehörigen Städte und Gemeinden ab 10.000 Einwohnern sind auf HaushaltsSteuerung.de bereits einzelne Analysen durchgeführt worden (siehe Links). Außen vor blieben bislang die Landkreise in Niedersachsen. Diese Lücke soll im vorliegenden Beitrag durch einen Schuldenstandsvergleich zum Stichtag 31.12.2014 geschlossen werden.

» Kommunale Verschuldung in Deutschland im Ländervergleich
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de

» Pro-Kopf-Verschuldung der kreisfreien Städte Deutschlands, Blog-Eintrag vom
    30. März 2016

    Autor: Andreas Burth

» Kassenkredite/Liquiditätskredite der Städte und Gemeinden in Niedersachsen mit
    mindestens 10.000 Einwohnern, Blog-Eintrag vom 28. März 2016

    Autor: Andreas Burth

Datengrundlage dieses Beitrags ist die LSN-Online Regionaldatenbank des Landesamtes für Statistik Niedersachsen. Sie enthält Schuldenstandsdaten für die Kernhaushalte der niedersächsischen Landkreise. Unter die Landkreise fällt im statistischen Sinne auch die Region Hannover. Die Schulden der Landkreise, die diese in ihren Auslagerungen (z.B. Eigenbetriebe, Anstalten öffentlichen Rechts, GmbHs) aufgenommen haben, können aus Gründen der Datenverfügbarkeit an dieser Stelle nicht berücksichtigt werden. Eine Schuldenanalyse, die auch die ausgelagerten Schulden der Landkreise einbezieht, finden Sie zum Stichtag 31.12.2012 im unten verlinkten Beitrag.

» Schulden-Ranking der 295 Landkreise in Deutschland, Blog-Eintrag vom 3. August 2014
    Autor: Andreas Burth

Abgedeckt werden von der hier herangezogenen LSN-Online Regionaldatenbank folgende vier Schuldenarten (jeweils nur Kernhaushalt): Besonders aufschlussreich sind die Daten zur Höhe der Kassenkredite (auch: Liquiditätskredite). Die Höhe der Kassenkreditbestände ist ein typischer Indikator für die Frage, in welchem Ausmaß die betreffende Kommune in der Vergangenheit über ihre Verhältnisse gewirtschaftet hat (d.h. die Kommune hat mehr ausgegeben als sie eingenommen hat).

Kassenkredite dienen eigentlich der kurzfristigen Sicherung der Zahlungsfähigkeit, weshalb ihr Bestand die meiste Zeit des Jahres bei 0,00 Euro liegen müsste. Jede andere Verwendung (insbesondere zur dauerhaften Finanzierung von laufenden Haushaltsdefiziten) stellt per Definition eine Zweckentfremdung dar. In einigen Kommunen Niedersachsens werden Kassenkredite dennoch zur dauerhaften Defizitfinanzierung zweckentfremdet. Je höher das dauerhafte Kassenkreditniveau ausfällt, desto größer ist das Ausmaß, zu dem die betreffende Kommune in der Vergangenheit über ihre Verhältnisse gelebt hat. Von hohen Kassenkreditschulden kann ab 500 Euro je Einwohner gesprochen werden. Ab 1.000 Euro je Einwohner liegt bereits ein sehr hohes Kassenkreditniveau vor.

Im Gegensatz zu (Investitions-)Krediten (inkl. Wertpapierschulden) sind Kassenkredite nicht durch Vermögenswerte gedeckt. Kassenkredite werden vielmehr für konsumtive Zwecke verwendet. Die in Form von dauerhaften Kassenkrediten angesammelten Lasten werden demnach nachrückenden Generationen aufgebürdet, ohne dass diesen Generationen aus der Verschuldung (z.B. in Form investiv geschaffener Vermögenswerte) ein Vorteil erwächst. Eines der wichtigsten Ziele kommunaler Haushaltspolitik muss daher - neben dem dauerhaften Haushaltsausgleich - darin bestehen, die meiste Zeit des Jahres einen Kassenkreditbestand von exakt 0,00 Euro je Einwohner zu erreichen (und zu bewahren). Dauerhafte Kassenkreditschulden sind unbedingt zu vermeiden.

In ihrer Summe zählen die 38 niedersächsischen Landkreise zum 30.6.2014 insgesamt 6.829.521 Einwohner. Ihre Kernhaushaltsschulden belaufen sich auf 4,04 Mrd. Euro bzw. 592 Euro je Einwohner. Hiervon entfallen 2,56 Mrd. Euro bzw. 375 Euro je Einwohner auf die Wertpapierschulden und Kredite beim nicht-öffentlichen Bereich (63,4 Prozent), 1,15 Mrd. Euro bzw. 169 Euro je Einwohner auf die Kassenkredite beim nicht-öffentlichen Bereich (28,5 Prozent), 0,19 Mrd. Euro bzw. 27 Euro je Einwohner auf die Schulden bei öffentlichen Haushalten (inkl. Kassenkredite beim öffentlichen Bereich) (4,6 Prozent) und 0,14 Mrd. Euro bzw. 20 Euro je Einwohner auf die kreditähnlichen Rechtsgeschäfte und übrigen Verbindlichkeiten (3,4 Prozent).

Die mit Abstand höchsten Pro-Kopf-Schulden im Kernhaushalt hat sich zum Stichtag 31.12.2014 der Landkreis Lüchow-Dannenberg aufgebürdet (2.811 Euro je Einwohner). Der Landkreis Lüchow-Dannenberg ist mit 48.720 Einwohnern der bevölkerungsschwächste Landkreis in Niedersachsen. Besonders problematisch an dem Schuldenstand des Landkreises Lüchow-Dannenberg ist, dass die Schulden v.a. aus Kassenkrediten herrühren. Mit 2.309 Euro je Einwohner hat die Kassenkreditverschuldung im Landkreis Lüchow-Dannenberg bereits enorme Ausmaße angenommen. Derart hohe Kassenkreditschulden sind ein deutlicher Indikator dafür, dass der Landkreis in der Vergangenheit in starkem Ausmaß über die eigenen Verhältnisse gewirtschaftet hat.

Ebenfalls bedenklich ist die Lage im Landkreis Helmstedt als dem Landkreis mit dem zweithöchsten Pro-Kopf-Schuldenstand. Der Landkreis Helmstedt hat sich zum 31.12.2014 im Kernhaushalt eine Schuldenlast von 1.679 Euro je Einwohner aufgebürdet. Davon entfällt der Großteil mit 1.259 Euro je Einwohner auf die besonders problematischen Kassenkredite. Auch der Landkreis Helmstedt hat offenbar in der Vergangenheit deutlich über die eigenen Verhältnisse gelebt.

Weitere Landkreise mit Pro-Kopf-Kernhaushaltsschulden von über 1.000 Euro je Einwohner sind der Landkreis Schaumburg (1.399 Euro je Einwohner), der Landkreis Wesermarsch (1.312 Euro je Einwohner), der Landkreis Northeim (1.100 Euro je Einwohner), der Landkreis Holzminden (1.073 Euro je Einwohner), der Landkreis Osterode am Harz (1.027 Euro je Einwohner) und der Landkreis Peine (1.016 Euro je Einwohner). Hohe Kassenkreditschulden von über 500 Euro je Einwohner finden sich in folgenden Landkreisen: Landkreis Holzminden (781 Euro je Einwohner), Landkreis Wesermarsch (754 Euro je Einwohner), Landkreis Schaumburg (656 Euro je Einwohner) und Landkreis Northeim (620 Euro je Einwohner).

Am geringsten haben sich im Kernhaushalt der der Landkreis Vechta (126 Euro je Einwohner), der Landkreis Emsland (154 Euro je Einwohner), der Landkreis Oldenburg (191 Euro je Einwohner) und der Landkreis Goslar (193 Euro je Einwohner) verschuldet. Im Kernhaushalt schuldenfrei ist in Niedersachsen kein Landkreis.

Die nachfolgend genannten zwölf Landkreise kommen Ende 2014 ohne Kassenkredite beim nicht-öffentlichen Bereich aus: Landkreis Ammerland, Landkreis Cloppenburg, Landkreis Diepholz, Landkreis Emsland, Landkreis Gifhorn, Landkreis Göttingen, Landkreis Grafschaft Bentheim, Landkreis Oldenburg, Landkreis Rotenburg (Wümme), Landkreis Vechta, Landkreis Verden und Landkreis Wittmund. Zudem hat der Landkreis Celle mit Kassenkrediten von 4 Euro je Einwohner nur sehr geringe Bestände.

Kreisfinanzen: Ranking über die Pro-Kopf-Schulden (Kassenkredite/Liquiditätskredite etc.) der 38 Landkreise in Niedersachsen (inkl. Region Hannover) im Kernhaushalt zum Stichtag 31.12.2014 (in Euro je Einwohner)

Weitere Informationen zu den Kommunalfinanzen in Niedersachsen sind auf HaushaltsSteuerung.de z.B. auf untenstehender Seite verfügbar.

» Verschuldung der Kommunen in Niedersachsen
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de





©  Andreas Burth, Marc Gnädinger