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HaushaltsSteuerung.de » Weblog » Pro-Kopf-Schulden der Städte in Baden-Württemberg mit mindestens 20.000 Einwohnern

Pro-Kopf-Schulden der Städte in Baden-Württemberg mit mindestens 20.000 Einwohnern
8. April 2016  |  Autor: Andreas Burth



Betrachtet man nur die kommunalen Kernhaushaltsschulden, so steht Baden-Württemberg im Ländervergleich hervorragend da: Zum 31.12.2014 haben die Kommunen in Baden-Württemberg sogar die niedrigsten Pro-Kopf-Kernhaushaltsschulden aller 13 Flächenländer. Der Schein trügt jedoch. Die Kommunen haben zum einen die Möglichkeit, ihre Aufgaben in der Kernverwaltung zu erbringen. Zum anderen besteht allerdings auch die Offerte, kommunale Unternehmen zu gründen (z.B. in Form eines Eigenbetriebs oder einer GmbH) und diese sog. Auslagerungen mit der Wahrnehmung kommunaler Aufgaben zu betrauen.

» Vergleich zur Verschuldung der Kommunen der 13 Flächenländer in Deutschland
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de

Von der Aufgabenwahrnehmung in Auslagerungen machen die Kommunen in Baden-Württemberg vergleichsweise intensiv Gebrauch. Erkennbar ist dies z.B. am Schuldenstand im ausgelagerten Bereich. Kein Flächenland in Deutschland hat zum 31.12.2014 einen höheren Anteil ausgelagerter Kommunalschulden als Baden-Württemberg (siehe untenstehender Link). Auch der Pro-Kopf-Schuldenstand in den kommunalen Auslagerungen ist der höchste aller Flächenländer. Dies führt dazu, dass die Kommunen Baden-Württembergs unter Berücksichtigung der Schulden von sowohl dem Kernhaushalt als auch den Auslagerungen im Ländervergleich nicht mehr den niedrigsten, sondern vielmehr einen überdurchschnittlich hohen Pro-Kopf-Schuldenstand aufweisen.

» Auslagerungsgrad der kommunalen Verschuldung zum 31.12.2014 im
    Ländervergleich, Blog-Eintrag vom 22. August 2015

    Autor: Andreas Burth

Ein Grundproblem von Ländervergleichen ist, dass sie Heterogenitäten innerhalb der kommunalen Familie außen vor lassen. Verschiedene Verschuldungsniveaus und Auslagerungsgrade werden erst in interkommunalen Vergleichen deutlich. Gerade im Kontext der Analyse ausgelagerter Schulden bietet es sich an, einwohnerkräftigere Kommunen zu analysieren. Diese haben zum einen üblicherweise höhere Pro-Kopf-Budgetvolumina und zum anderen nutzen einwohnerstärkere Kommunen das Instrument der Auslagerungen tendenziell stärker als einwohnerschwächere Kommunen.

Eine besonders hohe Einwohnerzahl weisen im Regelfall die kreisfreien Städte (in Baden-Württemberg als sog. Stadtkreise bezeichnet) auf. Die kreisfreien Städte sind hinsichtlich der Fragen nach der Höhe der Gesamtverschuldung und des Auslagerungsgrades im Weblog von HaushaltsSteuerung.de schon betrachtet worden (siehe Link). Die Daten zu den neun kreisfreien Städten in Baden-Württemberg werden hier dennoch noch einmal in einer eigenen Tabelle am Ende des Beitrags aufgeführt, um hier ein vollständigeres Bild der städtischen Verschuldung in Baden-Württemberg zu erhalten.

» Pro-Kopf-Verschuldung der kreisfreien Städte Deutschlands, Blog-Eintrag vom
    30. März 2016

    Autor: Andreas Burth

Neben dem kreisfreien Raum gibt es auch im kreisangehörigen Raum Städte und Gemeinden, die eine höhere Einwohnerzahl haben. Für die Zwecke des vorliegenden Beitrags werden die 90 kreisangehörigen Städte mit mindestens 20.000 Einwohnern analysiert. Zusammen haben diese 90 kreisangehörigen Städte eine Bevölkerungszahl von 3.327.454 (zum 31.12.2014 auf Basis des Zensus 2011).

Als Datengrundlage für die hier durchgeführte Schuldenanalyse fungiert der Wegweiser Kommune der Bertelsmann Stiftung. Neben den Schulden des Kernhaushalts werden auch die Schulden der Auslagerungen (hier: Eigenbetriebe und rechtlich selbstständige Unternehmen) einbezogen. Die Schuldendaten beziehen sich auf den Stichtag 31.12.2014 und werden in Euro je Einwohner berichtet. Für die Pro-Kopf-Berechnungen sind die Bevölkerungszahlen zum 31.12.2014 auf Basis des Zensus 2011 genutzt worden. Der zugrunde liegende Datensatz ist im März 2016 publiziert worden. Einen Überblick über die verwendeten Kennzahlen finden Sie in Tabelle 1.

Bei vier Städten (Ehingen (Donau), Kirchheim unter Teck, Waghäusel und Winnenden) bestehen Datenlücken bei den Kreditschulden der rechtlich selbstständigen Unternehmen. Die Datenlücken werden in den Tabellen dieses Blog-Eintrags mit "k.A." (für "keine Angabe") kenntlich gemacht. Aussagen zur Frage nach den höchsten bzw. niedrigsten Pro-Kopf-Schulden (inkl. ausgelagerter Schulden) werden hier unter Ausblendung dieser Städte getroffen. Bei Kernhaushaltsvergleichen können die Städte indes in die Vergleiche einbezogen werden.

Schuldenanalyse der Kommunen in Baden-Württemberg: Erläuterung der verwendeten Indikatoren

In den nachfolgenden Betrachtungen wird zum einen zwischen den Kommunaltypen "kreisfreie Städte" und "kreisangehörige Städte" differenziert. Hintergrund ist, dass kreisfreie Städte ein anderes Aufgabenportfolio bedienen (sie nehmen auch die kompletten Kreisaufgaben selbst wahr). Zur Verbesserung der Vergleichbarkeit im kreisangehörigen Raum, werden darüber hinaus drei Einwohnergrößenklassen gebildet.

In der Größenklasse "20.000 bis 29.999 Einwohner" haben zum 31.12.2014 die Städte Calw (4.736 Euro je Einwohner), Bretten (3.851 Euro je Einwohner) und Bad Mergentheim (3.815 Euro je Einwohner) die höchste Pro-Kopf-Gesamtverschuldung. Am niedrigsten fällt sie in Rheinstetten (525 Euro je Einwohner), Metzingen (657 Euro je Einwohner) und Leutkirch im Allgäu (752 Euro je Einwohner) aus.

Die Spannweite im Auslagerungsgrad reicht von 25,7 Prozent in Metzingen bis 100,0 Prozent in Ditzingen, Donaueschingen und Neckarsulm. Im arithmetischen Mittel sind 72,6 Prozent der Schulden ausgelagert.

Bei einer reinen Betrachtung der Kernhaushaltsschulden sind in dieser Größenklasse fünf Städte schuldenfrei. Es handelt sich dabei um Ditzingen, Donaueschingen, Ehingen (Donau), Neckarsulm und Winnenden.

Kassenkreditprobleme im Kernhaushalt sind nicht festzustellen. 39 von 44 Städten (88,6 Prozent) sind zum 31.12.2014 kassenkreditfrei. Die zu beobachtenden Kassenkreditbestände deuten darauf hin, dass die Schuldenart nur entsprechend ihrer eigentlichen Zweckbestimmung (d.h. der kurzfristigen Liquiditätssicherung) verwendet wird.

Kommunalfinanzen: Pro-Kopf-Schulden (inkl. Kassenkredite) in den Kernhaushalten und Auslagerungen der kreisangehörigen Städte in Baden-Württemberg mit 20.000 bis 29.999 Einwohnern zum 31.12.2014

Unter den Städten mit 30.000 bis 49.999 Einwohnern haben zum Stichtag 31.12.2014 die Städte Schwäbisch Hall (9.112 Euro je Einwohner), Bietigheim-Bissingen (5.817 Euro je Einwohner) und Lörrach (4.435 Euro je Einwohner) die höchsten Werte bei der Pro-Kopf-Gesamtverschuldung. Die geringsten Schuldenstände berichten Filderstadt (373 Euro je Einwohner), Nürtingen (737 Euro je Einwohner) und Herrenberg (799 Euro je Einwohner).

Der prozentuale Anteil der ausgelagerten Schulden liegt im Durchschnitt der Größenklasse "30.000 bis 49.999 Einwohner" bei 71,6 Prozent. Die Streuung reicht in den einzelnen Städten von 11,5 Prozent in Heidenheim an der Brenz bis 100,0 Prozent in Kornwestheim und Schorndorf. Die beiden Städte Kornwestheim und Schorndorf sind im Kernhaushalt schuldenfrei.

Auch für die Städte mit 30.000 bis 49.999 Einwohnern sind keine ernsthaften Kassenkreditprobleme zu beobachten. Die Fallzahl kassenkreditfreier Städte liegt bei 30 von 33 Städten (90,9 Prozent).

Kommunalfinanzen: Pro-Kopf-Schulden (inkl. Kassenkredite) in den Kernhaushalten und Auslagerungen der kreisangehörigen Städte in Baden-Württemberg mit 30.000 bis 49.999 Einwohnern zum 31.12.2014

Die 13 größten kreisangehörigen Städte in Baden-Württemberg haben mehr als 50.000 Einwohner. Am höchsten verschuldet haben sich zum 31.12.2014 die Städte Esslingen am Neckar (6.119 Euro je Einwohner) und Konstanz (5.047 Euro je Einwohner). Die geringsten Schuldenstände finden sich demgegenüber in Ludwigsburg (2.096 Euro je Einwohner) und Waiblingen (2.684 Euro je Einwohner). Tendenziell ist zu beobachten, dass die größeren kreisangehörigen Städte höhere Pro-Kopf-Schulden aufweisen als die kleineren kreisangehörigen Städte aus obigen Tabellen.

Der Auslagerungsgrad der städtischen Schulden liegt im Durchschnitt bei 72,1 Prozent und weicht damit nicht wesentlich von den beiden vorherigen Größenklassen ab. Der Anteil ausgelagerter Verschuldung reicht bei der Betrachtung einzelner Städte von 55,3 Prozent in Esslingen am Neckar bis 100,0 Prozent in Sindelfingen. Die Stadt Sindelfingen ist im Kernhaushalt schuldenfrei.

Wie schon bei den beiden anderen Größenklassen beobachtet worden ist, ist auch für die größten kreisangehörigen Städte festzustellen, dass keine Probleme mit Kassenkrediten vorliegen. Elf der 13 Städte (84,6 Prozent) sind zum 31.12.2014 im Kernhaushalt kassenkreditfrei.

Kommunalfinanzen: Pro-Kopf-Schulden (inkl. Kassenkredite) in den Kernhaushalten und Auslagerungen der kreisangehörigen Städte in Baden-Württemberg mit mindestens 50.000 Einwohnern zum 31.12.2014

Die vorstehenden Analysen auf Grundlage der Tabellen 2 bis 4 haben die Schulden kreisangehöriger Städte zum Gegenstand. Zu beachten ist, dass die Schulden der Landkreise nicht einbezogen worden sind. Die Einwohner der zuvor untersuchten Städte haben demnach nicht nur auf städtischer Ebene, sondern i.d.R. auch auf Kreisebene kommunale Schulden, die sie zu tragen haben. Die gesamten Pro-Kopf-Kommunalschulden des kreisangehörigen Raums ergeben sich in diesem Sinne, indem zu den städtischen Schulden noch die Kreisschulden hinzu gerechnet werden.

Die neun kreisfreien Städte in Baden-Württemberg (siehe Tabelle 5) haben - wie die Bezeichnung bereits deutlich macht - keine Kreisebene über sich, deren Schuldenstand noch hinzu zu rechnen wäre.

Die am höchsten verschuldete kreisfreie Stadt in Baden-Württemberg ist zum 31.12.2014 die Stadt Mannheim mit 10.240 Euro je Einwohner. Auf Platz 2 im Schulden-Ranking folgt die Stadt Ulm mit 7.594 Euro je Einwohner. Den niedrigsten Schuldenstand verzeichnet die Landeshauptstadt Stuttgart mit 2.594 Euro je Einwohner. Die Stadt Freiburg im Breisgau ist mit 3.401 Euro je Einwohner die am zweitniedrigsten verschuldete kreisfreie Stadt.

Der Anteil ausgelagerter Schulden reicht von 73,8 Prozent in Pforzheim bis 98,5 Prozent in Stuttgart. Im arithmetischen Mittel liegt der Auslagerungsgrad bei 83,3 Prozent. Die kreisfreien Städte haben damit im Vergleich zum kreisangehörigen Raum tendenziell einen größeren Teil ihrer Schulden in Eigenbetriebe und rechtlich selbstständige Unternehmen (z.B. GmbHs, AGs) ausgegliedert.

Keine der neun kreisfreien Städte ist zum 31.12.2014 im Kernhaushalt schuldenfrei. Allerdings weist die Landeshauptstadt Stuttgart mit 39 Euro je Einwohner einen sehr niedrigen Schuldenstand im Kernhaushalt auf. Die Stadt Stuttgart kann damit als "im Kernhaushalt nahezu schuldenfrei" bezeichnet werden.

Kassenkreditbestände in einer Größenordnung, die an dieser Stelle einer weiteren Diskussion bedürfen würden, gibt es auch im kreisfreien Raum nicht. Sieben der neun Städte (77,8 Prozent) sind zum 31.12.2014 kassenkreditfrei. In Baden-Württemberg haben damit sowohl die größeren kreisangehörigen Städte als auch die kreisfreien Städte keine ernsthaften Kassenkreditprobleme. Das Land Baden-Württemberg kann in diesem Bereich als Vorbild für andere Kassenkredit-Krisenländer, wie z.B. Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland, fungieren.

Stadtfinanzen: Pro-Kopf-Schulden (inkl. Kassenkredite) in den Kernhaushalten und Auslagerungen der neun kreisfreien Städte (Stadtkreise) in Baden-Württemberg zum 31.12.2014

Weiterführende Analysen zu den baden-württembergischen Kommunalfinanzen sind auf HaushaltsSteuerung.de z.B. auf folgenden Seiten verfügbar.

» Kernhaushalts- und Eigenbetriebsschulden der Städte und Gemeinden in
    Baden-Württemberg zum 31.12.2014, Blog-Eintrag vom 25. September 2015

    Autor: Andreas Burth

» Kommunale Verschuldung in Baden-Württemberg
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de





©  Andreas Burth, Marc Gnädinger