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HaushaltsSteuerung.de » Weblog » Vierteljährliche Entwicklung der Steuereinnahmen der Städte und Gemeinden der Flächenländer vom 1. Quartal 2004 bis zum 1. Quartal 2015

Vierteljährliche Entwicklung der Steuereinnahmen der Städte und Gemeinden der Flächenländer vom 1. Quartal 2004 bis zum 1. Quartal 2015
21. August 2015  |  Autor: Andreas Burth



Die Statistischen Ämter berichten einige Kenngrößen, wie z.B. den kommunalen Finanzierungssaldo, vierteljährlich. Dabei fällt auf, dass der kommunale Finanzierungssaldo im ersten Quartal eines Jahres i.d.R. (stark) negativ ist. Im Laufe des Jahres erholt sich der Wert allerdings meist. Selbst aus deutlichen Defiziten zu Jahresbeginn kann sich für das Gesamtjahr noch ein positiver Finanzierungssaldo entwickeln.

So lag beispielsweise der Finanzierungsaldo der kommunalen Kern- und Extrahaushalte im 1. Vierteljahr 2012 bei -4,91 Mrd. Euro, während für das Gesamtjahr 2012 noch ein Finanzierungsüberschuss von 0,91 Mrd. Euro realisiert wurde. Auch 2013 wurde aus einem Defizit von -4,29 Mrd. Euro im 1. Quartal noch ein Überschuss von 1,05 Mrd. Euro im Gesamtjahr. Das Finanzierungsdefizit im 1. Vierteljahr 2014 (-4,75 Mrd. Euro) konnte im Laufe des Jahres zwar nicht in einen Überschuss umgewandelt werden - allerdings konnte das Defizit zumindest merklich verringert werden (-0,66 Mrd. Euro für das Gesamtjahr 2014). Auch 2015 ist das 1. Quartal defizitär (-5,83 Mrd. Euro). Es wird abzuwarten bleiben, inwiefern dieses Defizit im Laufe des Jahres 2015 noch in einen Finanzierungsüberschuss umgewandelt werden kann. Unter anderem erschweren einzelne kassenstatistische Methodik- und Berichtskreisänderungen beim Finanzierungssaldo genauere Prognosen auf Basis der Vorjahreswerte. Ein Finanzierungsüberschuss für das Gesamtjahr 2015 scheint aber durchaus im Bereich des Möglichen zu liegen. Die Zahlen machen allerdings in jedem Falle deutlich, dass man keinesfalls der Versuchung unterliegen sollte, vom Finanzierungssaldo des 1. Vierteljahrs per Multiplikation mit vier auf das Gesamtjahr zu schließen.

Die beschriebene Erkenntnis wirft die Frage auf, welche Ursachen diese offenbar zyklische Entwicklung des vierteljährlichen Finanzierungsaldos hat. Der vorliegende Beitrag nähert sich dieser Fragestellung über die Einnahmeseite. Konkret wird die vierteljährliche Entwicklung der Netto-Steuereinnahmen (als eine der wichtigsten kommunalen Einnahmequellen) analysiert.

Überblick:
- Methodische Anmerkungen
- Gesamte Netto-Steuereinnahmen
- Grundsteuer A
- Grundsteuer B
- Gewerbesteuer
- Gemeindeanteil an der Einkommensteuer
- Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer
- Sonstige Gemeindesteuern
- Weitere Informationen



Methodische Anmerkungen

Datengrundlage dieses Beitrags sind die vierteljährlichen Statistiken über den
Steuerhaushalt, die vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht werden. Untersucht wird die Gesamtheit der Städte und Gemeinden der Flächenländer (d.h. kreisfreier und kreisangehöriger Raum). Auf eine Differenzierung nach Flächenländern ist verzichtet worden, da die Ergebnisse hinsichtlich der Frage nach der unterjährigen Entwicklungsstruktur in den einzelnen Ländern ähnlich sein dürften. Die Stadtstaaten werden aufgrund von Vergleichbarkeitsproblemen hier ausgeblendet.

Der Analysezeitraum erstreckt sich vom 1. Quartal 2004 bis zum 1. Quartal 2015. Dieser Zeitraum ist gewählt worden, da es der maximale Zeitraum ist, für den derzeit frei zugängliche, vierteljährliche Steuerdaten für das komplette Jahr online abrufbar sind (für 2003 sind nur die beiden letzten Quartale verfügbar). Das 1. Vierteljahr 2015 ist aus Gründen der Aktualität ebenfalls nachrichtlich in die Untersuchung integriert worden. Abgedeckt werden damit sowohl wirtschaftlich gute Jahre (z.B. 2008) als auch Krisenjahre (z.B. 2009).

Die Beurteilung der Höhe der einzelnen Quartalswerte wird i.d.R. anhand der 25-Prozent-Schwelle vorgenommen (25 Prozent des Jahreswerts). Hintergrund ist, dass mit einer Quartalsbetrachtung naturgemäß das Jahr (und damit mutmaßlich auch die Höhe der Steuereinnahmen) in vier gleiche Teile untergliedert wird. Liegen die Quartalswerte über diesem Schwellenwert, sind die Steuereinnahmen überdurchschnittlich hoch. Im umgekehrten Fall sind sie als unterdurchschnittlich zu kategorisieren.



Gesamte Netto-Steuereinnahmen

Die gesamten Netto-Steuereinnahmen sind die Summe aus dem Aufkommen der
Grundsteuer A, dem Aufkommen der Grundsteuer B, den Netto-Einnahmen aus der Gewerbesteuer (d.h. abzüglich Gewerbesteuerumlage) sowie den Gemeindeanteilen an der Einkommen- und an der Umsatzsteuer zuzüglich der sonstigen Gemeindesteuern (hier bis 2006 inkl. steuerähnliche Einnahmen). Die Daten verdeutlichen, dass die Netto-Steuereinnahmen im 1. Quartal erheblich niedriger ausfallen als in den übrigen Quartalen. Darüber hinaus liegen die Einnahmen im 4. Quartal erheblich über der Marke von 25 Prozent. Dies zeigt, dass eine Hauptursache für die unterjährigen Schwankungen des Finanzierungssaldos in den Netto-Steuereinnahmen liegt.

Vierteljährliche Entwicklung der gesamten Netto-Steuereinnahmen der Städte und Gemeinden der Flächenländer in Deutschland

Eine aggregierte Betrachtung der Netto-Steuereinnahmen ohne weitere Differenzierung sagt indes nur wenig über die verursachende(n) Steuerart(en) aus. Im Folgenden werden daher die einzelnen Steuerarten separat untersucht.



Grundsteuer A

Die Grundsteuer A ist aus der Perspektive der Städte und Gemeinden eine weniger wichtige Steuereinnahmequelle. Für die Grundsteuer A zeigen sich unterjährig keine extremen, sondern nur leichte Schwankungen. Während das 1. und das 4. Quartal leicht unter der 25-Prozent-Schwelle liegen, befindet sich das 3. Quartal regelmäßig über dieser Schwelle. Das 2. Quartal liegt i.d.R. leicht über oder leicht unter 25 Prozent.

Vierteljährliche Entwicklung der Einnahmen der Städte und Gemeinden der Flächenländer aus der Grundsteuer A



Grundsteuer B

Ähnlich wie bei der Grundsteuer A sind auch bei der Grundsteuer B eher geringe unterjährige Schwankungen zu beobachten. Das 1. und das 4. Vierteljahr sind aufkommenstechnisch zumeist etwas schwächer, während das 2. und das 3. Quartal ein leicht überdurchschnittlich hohes Aufkommen generieren.

Vierteljährliche Entwicklung der Einnahmen der Städte und Gemeinden der Flächenländer aus der Grundsteuer B



Gewerbesteuer

Für das Istaufkommen der Gewerbesteuer (d.h. noch inkl. Gewerbesteuerumlage) ist festzustellen, dass sich die Quartalswerte meist auf einem Niveau von 25 Prozent bewegen. Für alle vier Quartale sind in einzelnen Jahren Werte unter- und oberhalb des Schwellenwerts zu beobachten.

Vierteljährliche Entwicklung der Einnahmen der Städte und Gemeinden der Flächenländer aus der Gewerbesteuer (brutto)

Das oben ausgewiesene Brutto-Aufkommen der Gewerbesteuer verbleibt nicht in voller Höhe bei den Städten und Gemeinden. Ein Teil ist in Form der Gewerbesteuerumlage an Bund und Land abzuführen (im Sinne einer Ausgabe). Im Gegensatz zum Brutto-Aufkommen (siehe oben) unterliegt die Gewerbesteuerumlage unterjährig beträchtlichen Schwankungen. Sehr gering fällt sie typischerweise im 1. Vierteljahr eines Jahres aus. In Einzelfällen (hier: 1. Quartal 2009) können sogar die erhaltenen Rückzahlungen aus der Gewerbesteuerumlage höher ausfallen als die abzuführende Gewerbesteuerumlage. Das 2. und das 3. Vierteljahr liegen wertmäßig zumeist bei rund 25 Prozent (wobei sich das 2. Vierteljahr eher etwas darunter und das 3. Vierteljahr tendenziell darüber befindet). Fast die Hälfte der abzuführenden Gewerbesteuerumlage ist im 4. Quartal zu leisten. Die Gewerbesteuerumlage belastet die Haushalte der Städte und Gemeinden damit v.a. am Jahresende.

Vierteljährliche Entwicklung der abzuführenden Gewerbesteuerumlage der Städte und Gemeinden der Flächenländer

Der Teil des Brutto-Aufkommens der Gewerbesteuer, der nach Abzug der Gewerbesteuerumlage bei den Städten und Gemeinden verbleibt, wird als Netto-Aufkommen aus der Gewerbesteuer bezeichnet. Die Gewerbesteuer (netto) fällt im Regelfall in den ersten beiden Quartalen eines Jahres etwas höher aus (leicht über 25 Prozent). In der zweiten Jahreshälfte werden demgegenüber häufig Niveaus unter 25 Prozent vereinnahmt. Das 4. Quartal ist dabei aufgrund der oben beschriebenen Gewerbesteuerumlage etwas zumeist schwächer als das 3. Quartal. Die Zahlen machen deutlich, dass die Netto-Einnahmen aus der Gewerbesteuer nicht ursächlich für kommunale Finanzierungsdefizite im 1. Vierteljahr sind - im Gegenteil: Die Gewerbesteuer wirkt Defiziten im 1. Quartal aufgrund der niedrigen Gewerbesteuerumlage tendenziell entgegen.

Vierteljährliche Entwicklung der Einnahmen der Städte und Gemeinden der Flächenländer aus der Gewerbesteuer (netto)



Gemeindeanteil an der Einkommensteuer

Die Städte und Gemeinden werden am Aufkommen der Einkommensteuer beteiligt. Der Einkommensteueranteil ist (neben der Gewerbesteuer) eine der wichtigsten Einnahmequellen der Städte und Gemeinden. Gerade im kreisangehörigen Raum (und hier besonders bei den einwohnerschwächeren Körperschaften) dominiert die Einkommensteuer den Steuermix (siehe z.B. folgender Link).

» Streuung der Netto-Steuereinnahmen der kreisangehörigen Städte und Gemeinden in
    Deutschland nach Steuerarten, Blog-Eintrag vom 16. August 2015

    Autor: Andreas Burth

Tabelle 7 macht deutlich, dass im Einkommensteueranteil eine Hauptursache für das zyklische Verhalten der gesamten Netto-Steuereinnahmen bzw. des Finanzierungsaldos zu sehen ist. Der Einkommensteueranteil fällt im 1. Vierteljahr regelmäßig sehr niedrig aus, während er im 4. Quartal etwa die Hälfte des Jahreswerts ausmacht. Das 2. und das 3. Quartal liegen jeweils bei etwa 25 Prozent des Jahreswerts (wobei das 2. Quartal bis einschließlich 2008 schwächer ausfiel).

Vierteljährliche Entwicklung der Einnahmen der Städte und Gemeinden der Flächenländer aus dem Gemeindeanteil an der Einkommensteuer



Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer

Auch am Aufkommen der Umsatzsteuer werden die Städte und Gemeinden beteiligt. Ähnlich wie beim Einkommensteueranteil sind auch die Einnahmen aus dem Umsatzsteueranteil unterjährig stark zyklisch. Sie fallen im 1. Vierteljahr sehr niedrig und im 4. Vierteljahr sehr hoch aus. Das 2. und das 3. Quartal liegen wiederum bei etwa 25 Prozent. Auch der Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer ist damit als ein Verursacher des zyklischen unterjährigen Verlaufs des kommunalen Finanzierungssaldos anzusehen.

Vierteljährliche Entwicklung der Einnahmen der Städte und Gemeinden der Flächenländer aus dem Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer



Sonstige Gemeindesteuern

Die sonstigen Gemeindesteuern (hier bis einschließlich des 4. Quartals 2006 inkl. steuerähnliche Einnahmen) sind aus Sicht der meisten Städte und Gemeinden eine weniger wichtige Einnahmequelle. Gleichwohl liegt ihr Aufkommen seit 2013 bei über einer Milliarde Euro und somit z.B. deutlich über dem Wert der Grundsteuer A. Das Einnahmevolumen aus sonstigen Gemeindesteuern ist in den letzten Jahren stärker gewachsen als die übrigen Steuerarten (siehe z.B. nachfolgender Link).

» Entwicklung der Netto-Steuereinnahmen der Kommunen der Flächenländer von 2004
    bis 2014, Blog-Eintrag vom 3. Juli 2015

    Autor: Andreas Burth

Die sonstigen Gemeindesteuern fallen im 1. Vierteljahr meist überdurchschnittlich hoch aus. Das 2. und das 3. Quartal liegen bei rund 25 Prozent, wobei das 2. Quartal tendenziell unter und das 3. Quartal tendenziell über dem Schwellenwert liegt. Das 4. Vierteljahr ist regelmäßig das einnahmeschwächste Quartal. In der Gesamtbetrachtung sind die unterjährigen Schwankungen aber noch als moderat einzustufen (insbesondere im Vergleich zum Einkommen- und Umsatzsteueranteil).

Vierteljährliche Entwicklung der Einnahmen der Städte und Gemeinden der Flächenländer aus den sonstigen Gemeindesteuern (bis 2006 inkl. steuerähnliche Einnahmen)



Weitere Informationen

Zusätzliche Informationsangebote zu den Steuereinnahmen der Städte und Gemeinden der Flächenländer können Sie z.B. über nachfolgende Links abrufen.

» Steuer-Datenbank der kreisfreien Städte in Deutschland
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de

» Steueruhr zu den Steuereinnahmen Deutschlands
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de

» Blog-Einträge zum Thema "Steuern"
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de





©  Andreas Burth, Marc Gnädinger