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HaushaltsSteuerung.de » Weblog » Rankings zu den Einnahmen der 28 EU-Staaten aus Steuern

Rankings zu den Einnahmen der 28 EU-Staaten aus Steuern
30. April 2016  |  Autor: Andreas Burth



Die EU-Staaten finanzieren sich aus verschiedenen Einnahmequellen. Zu nennen sind beispielsweise die Netto-Sozialbeiträge und die Zinseinnahmen. Den größten Teil der Staatseinnahmen machen jedoch meist die Einnahmen aus Steuern aus. Zu den Steuereinnahmen zählen im Falle Deutschlands z.B. die Einnahmen aus Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer und Grundsteuer. Im Jahr 2015 beliefen sich die gesamten Steuereinnahmen des deutschen Staates laut Eurostat auf 697,2 Mrd. Euro. Zur Einordnung des Volumens der deutschen Steuereinnahmen bietet sich insbesondere ein EU-Ländervergleich an. Eine solche vergleichende Analyse zu den Einnahmen der 28 EU-Staaten aus Steuern wird im vorliegenden Beitrag vorgenommen.

Überblick:
- Methodische Anmerkungen
- Steuereinnahmen in Prozent des nominalen BIP
- Steuereinnahmen in Euro je Einwohner
- Steuereinnahmen in Prozent der gesamten Staatseinnahmen
- Entwicklung der absoluten Höhe der Steuereinnahmen ausgewählter EU-Staaten
- Weitere Informationen



Methodische Anmerkungen

Datengrundlage der vorliegenden Analyse sind mehrere Statistiken von Eurostat, die am 21.4.2016 publiziert worden sind. Eurostat differenziert bei den Einnahmen aus Steuern zwischen verschiedenen Steuerarten. Die verwendeten Steuerarten werden in nachstehender Tabelle kurz erläutert.

Einnahmen aus Steuern in der EU: Kurzerläuterung der Steuerarten nach Eurostat-Systematik

Werte zu den oben genannten Steuerarten werden in den nachfolgenden Diagrammen nur aufgeführt, sofern es der Platz im jeweiligen Balken bzw. in der jeweiligen Säule zulässt. Weiße Zahlen im Balken bzw. in der Säule beziehen sich auf eine Steuerart. Rechts des Balkens bzw. über der Säule eingefügte schwarze, fette Zahlen repräsentieren den Gesamtwert aus allen Steuerarten.



Steuereinnahmen in Prozent des nominalen BIP

Grundsätzlich bestünde die Möglichkeit, die Einnahmevolumina aus Steuern auf Basis absoluter Werte für die EU-Staaten zu vergleichen. Derartige Vergleiche sind jedoch aufgrund von Unterschieden in der Einwohnerzahl und in der Wirtschaftskraft nur von geringer Aussagekraft. An dieser Stelle werden die Einnahmen aus Steuern daher zunächst ins Verhältnis zum nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) gesetzt (siehe Abbildung 1). Im nachfolgenden Abschnitt wird zudem eine Pro-Kopf-Betrachtung vorgenommen (siehe Abbildung 2).

Die höchsten Steuereinnahmen im Verhältnis zur Wirtschaftskraft haben Dänemark (46,8 Prozent des nominalen BIP) und Schweden (40,3 Prozent des nominalen BIP). Am unteren Ende des Rankings finden sich Litauen (17,4 Prozent des nominalen BIP) und die Slowakei (18,1 Prozent des nominalen BIP). Deutschland liegt mit 23,0 Prozent des nominalen BIP unter den Werten der EU-28 (26,7 Prozent des nominalen BIP) und der Euro-19 (26,1 Prozent des nominalen BIP). Österreichs Steuereinnahmen sind mit 28,8 Prozent des nominalen BIP höher als die der EU-28 und Euro-19.

Steuern-Ranking über die Steuereinnahmen der 28 EU-Mitgliedsstaaten im Jahr 2015 in Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts des Jahres 2015 differenziert nach Steuerarten



Steuereinnahmen in Euro je Einwohner

In einer Pro-Kopf-Betrachtung verzeichnen Luxemburg (24.378 Euro je Einwohner), Dänemark (21.983 Euro je Einwohner) und Schweden (18.385 Euro je Einwohner) die höchsten Steuereinnahmen. Gemessen am nominalen Pro-Kopf-BIP sind Luxemburg und Dänemark im Jahr 2015 die beiden wirtschaftsstärksten EU-Mitglieder. Schweden hat das vierthöchste nominale Pro-Kopf-BIP. Am unteren Ende des Pro-Kopf-Steuereinnahmevergleichs finden sich Bulgarien (1.306 Euro je Einwohner) und Rumänien (1.607 Euro je Einwohner). Bulgarien und Rumänien sind zudem die beiden wirtschaftsschwächsten EU-Mitgliedsstaaten. Hieran wird deutlich, dass die Wirtschaftskraft einen starken Einfluss auf die Höhe der Pro-Kopf-Steuereinnahmen hat.

Die EU-28 generieren Steuereinnahmen in Höhe von 7.682 Euro je Einwohner. Bei den Euro-19 sind es 8.006 Euro je Einwohner. Die deutschen Steuereinnahmen belaufen sich auf 8.586 Euro je Einwohner. In Österreich sind es 11.348 Euro je Einwohner.

Steuern-Ranking über die Pro-Kopf-Steuereinnahmen der 28 EU-Mitgliedsstaaten im Jahr 2015 differenziert nach Steuerarten (Einnahmen in Euro je Einwohner)



Steuereinnahmen in Prozent der gesamten Staatseinnahmen

Der Staat finanziert seine Leitungserbringung auf verschiedenen Wegen. Die Steuereinnahmen sind eine - aber nicht die einzige - Finanzierungsquelle. Weitere Einnahmequellen sind z.B. die Netto-Sozialbeiträge und die Zinseinnahmen. Wie bedeutsam die Steuereinnahmen für die Finanzierung der Staatstätigkeit sind, wird aus Abbildung 3 deutlich. Darin werden die EU-Mitglieder hinsichtlich der Frage verglichen, welcher Teil der gesamten Staatseinnahmen aus Steuern herrührt.

Besonders hoch sind die Steueranteile in Dänemark (87,2 Prozent) und Schweden (80,0 Prozent). Dies erklärt in Teilen auch die ausgesprochen hohen Werte dieser beiden Staaten in obigen Abbildungen. Die geringsten Anteile an den gesamten Staatseinnahmen verzeichnen die Slowakei (42,5 Prozent) und Tschechien (47,0 Prozent). Deutschland liegt bei 51,6 Prozent. Sowohl die EU-28 (59,2 Prozent) als auch die Euro-19 (55,9 Prozent) weisen höhere Anteile auf als Deutschland. Die Einnahmen des österreichischen Staates speisen sich zu 57,1 Prozent aus Steuern.

Steuern-Ranking über die Steuereinnahmen der 28 EU-Mitgliedsstaaten im Jahr 2015 in Prozent der gesamten Staatseinnahmen 2015



Entwicklung der absoluten Höhe der Steuereinnahmen ausgewählter EU-Staaten

Neben EU-Vergleichen für das Jahr 2015 erscheint es auch interessant zu fragen, wie sich die Steuereinnahmen im Zeitablauf entwickelt haben. Im Folgenden wird für sieben EU-Staaten ein solcher Zeitvergleich über die Jahre 2000 bis 2015 vorgenommen. Der Beitrag beschränkt sich zum einen auf die fünf einwohnerstärksten EU-Staaten (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland). Zum anderen werden auch Griechenland und Österreich betrachtet. Eine Analyse Griechenlands erscheint gerade vor dem Hintergrund der dortigen Finanzprobleme von besonderer Relevanz. Österreich wird untersucht, da HaushaltsSteuerung.de als deutschsprachiges Fachportal auch bestrebt ist, regelmäßig die österreichischen Staatsfinanzen genauer zu betrachten.

In obigem Pro-Kopf-Vergleich sind die Personalausgaben der Nicht-Mitglieder der Eurozone (z.B. Dänemark, Schweden, Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland) in Euro umgerechnet worden, um einen sinnvollen Pro-Kopf-Vergleich über alle 28 EU-Mitglieder zu ermöglichen. Für die Zeitreihenanalysen wird indes jeweils die Landeswährung verwendet, um die Effekte von im Zeitablauf aufgetretenen Wechselkursschwankungen zu eliminieren. Relevant ist dies bei den hier behandelten sieben EU-Staaten v.a. für das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland, dessen Landeswährung nicht der Euro ist. Die Daten werden hier vielmehr in Pfund Sterling ausgewiesen.

Im Hinblick auf die Zeitreihenanalysen ist generell darauf hinzuweisen, dass der Betrachtungszeitraum (2000 bis 2015) von wechselnden ökonomischen Rahmenbedingungen geprägt ist. In den meisten EU-Staaten waren z.B. die Jahre bis 2007/2008 konjunkturell bessere Jahre. Demgegenüber zeigten sich gerade in den Jahren ab 2009 die Auswirkungen der Finanzkrise auf die öffentlichen Haushalte. In diesen Jahren haben viele EU-Staaten Einbrüche in den Steuereinnahmen zu verzeichnen. In der Folge sind in vielen Staaten Haushaltsdefizite entstanden, die teilweise bis heute nicht wieder abgebaut worden sind.

Die deutschen Steuereinnahmen waren v.a. zu Beginn des neuen Jahrtausends durch eine Periode geringen Wachstums geprägt. Erst ab 2006 setzte ein stärkerer Anstieg ein, der jedoch 2009 durch die Finanz- und Wirtschaftskrise unterbrochen wurde. Ab 2011 waren indes wieder deutliche Zuwächse zu verzeichnen. Im Jahr 2015 liegen die Steuereinnahmen des deutschen Staates bei 697,2 Mrd. Euro. Im Vergleich zum Jahr 2000 entspricht dies einem Zuwachs in Höhe von 41,4 Prozent.

Zeitliche Entwicklung der absoluten Höhe der jährlichen Steuereinnahmen von Deutschland in den Jahren 2000 bis 2015 differenziert nach Steuerarten (Steuern in Mrd. Euro)

Für den französischen Staat sind bis 2008 stetig wachsende Steuereinnahmen festzustellen. Wie bereits oben bei Deutschland zu beobachten ist, verzeichnete jedoch auch Frankreich infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise einen merklichen Rückgang in den Steuereinnahmen des Jahres 2009. Das Einnahmeniveau aus Steuern erholte sich in den Folgejahren jedoch wieder. Im Jahr 2015 sind Steuereinnahmen in Höhe von 634,5 Mrd. Euro generiert worden. Im Vergleich zu den 406,8 Mrd. Euro des Jahres 2000 entspricht dies einer Zunahme um 56,0 Prozent.

Zeitliche Entwicklung der absoluten Höhe der jährlichen Steuereinnahmen von Frankreich in den Jahren 2000 bis 2015 differenziert nach Steuerarten (Steuern in Mrd. Euro)

In den Jahren bis 2008 verzeichnete Griechenland deutlich steigende Steuereinnahmen (Zunahme um 53,0 Prozent). Mit dem Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise sanken die Einnahmen aus Steuern jedoch. Im Gegensatz zu vielen anderen EU-Staaten erholten sich Griechenlands Steuereinnahmen in den folgenden Jahren nicht, sondern verringerten sich weiter. Lediglich im Vergleich der Jahre 2013 und 2014 war ein leichter Anstieg um 1,3 Prozent festzustellen. Alle übrigen Vorjahresvergleiche seit 2009 zeigen Rückgänge im Steuereinnahmeniveau. Unter Gegenüberstellung der Jahre 2000 und 2015 verzeichnet Griechenland ein Wachstum in den Steuereinnahmen von 36,0 Prozent. Dies ist für den gesamten Betrachtungszeitraum der geringste Zuwachs der sieben hier betrachteten EU-Staaten.

Aktuell (2015) liegen die (nicht preisbereinigten) Steuereinnahmen des griechischen Staates mit 45,02 Mrd. Euro auf dem Niveau des Jahres 2006. Würde zusätzlich die allgemeine Preisentwicklung (Inflation) in diesem Zeitraum einbezogen werden, würde deutlich werden, dass derzeit nicht einmal das (reale) Niveau des Jahres 2006 erreicht wird. Bereits an der Entwicklung der Steuereinnahmen wird augenfällig, in welch einer wirtschaftlichen Krise der griechische Staat seit 2009 steckt.

Zeitliche Entwicklung der absoluten Höhe der jährlichen Steuereinnahmen von Griechenland in den Jahren 2000 bis 2015 differenziert nach Steuerarten (Steuern in Mrd. Euro)

Die Entwicklung der Steuereinnahmen Italiens weist viele Parallelen zu den obigen EU-Staaten auf. Auch die italienischen Steuereinnahmen stiegen ab 2000 zunächst an und reduzierten sich mit Eintritt der Finanzkrise. Allerdings verzeichnet Italien in den Jahren ab 2009 einen etwas schwächeren Anstieg in den Einnahmen aus Steuern.

Im Jahr 2015 sind Einnahmen aus Steuern in Höhe von 492,8 Mrd. Euro generiert worden. Im Vergleich der Jahre 2000 und 2015 wuchsen die jahresbezogenen Steuereinnahmen um 40,6 Prozent.

Zeitliche Entwicklung der absoluten Höhe der jährlichen Steuereinnahmen von Italien in den Jahren 2000 bis 2015 differenziert nach Steuerarten (Steuern in Mrd. Euro)

Die österreichischen Einnahmen aus Steuern verzeichneten bis 2008 einen Zuwachs um 35,8 Prozent. Nach dem für die Krisenjahre typischen Rückgang stiegen die Steuereinnahmen in den Jahren bis 2015 wieder deutlich an. Die Steuereinnahmen des Jahres 2015 belaufen sich auf 97,32 Mrd. Euro (Anstieg um 64,0 Prozent gegenüber dem Jahr 2000). Bei einer Fortsetzung des bisherigen Wachstumstrends könnte im Jahr 2016 erstmals die Schwelle von 100 Mrd. Euro überschritten werden.

Zeitliche Entwicklung der absoluten Höhe der jährlichen Steuereinnahmen von Österreich in den Jahren 2000 bis 2015 differenziert nach Steuerarten (Steuern in Mrd. Euro)

Spaniens Staatsfinanzen erlebten bis einschließlich 2007 einen steilen Anstieg der Steuereinnahmen. Unter Gegenüberstellung der Jahre 2000 und 2007 wuchsen die Einnahmen aus Steuern um 89,7 Prozent. Infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise brachen die Steuereinnahmen in den Jahren 2008 und 2009 indes sehr stark ein. Im Vergleich der Jahre 2007 und 2009 ist eine Verringerung des Steuereinnahmevolumens um 26,0 Prozent zu beobachten. In den nachfolgenden Jahren stiegen die Einnahmen aus Steuern wieder tendenziell an. Spanien ist jedoch - neben Griechenland - eines der wenigen EU-Mitglieder, die auch 2015 noch nicht das Vorkrisenniveau (hier: 267,6 Mrd. Euro) erreicht haben.

Mit Steuereinnahmen in Höhe von 242,3 Mrd. Euro ist gegenüber dem Jahr 2000 im gesamten Betrachtungszeitraum ein Zuwachs um 71,7 Prozent zu beobachten. Dies ist (dem Einbruch in den Krisenjahren zum Trotz) für den Zeitraum 2000 bis 2015 der stärkste Anstieg der sieben hier betrachteten EU-Staaten.

Zeitliche Entwicklung der absoluten Höhe der jährlichen Steuereinnahmen von Spanien in den Jahren 2000 bis 2015 differenziert nach Steuerarten (Steuern in Mrd. Euro)

Für das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland sind bis einschließlich 2008 stetig steigende Steuereinnahmen festzustellen. Krisenbedingt sanken im Jahr 2009 allerdings auch im Vereinigten Königreich die Steuereinnahmen. Die folgenden Jahre waren indes wieder durch steigende Steuereinnahmen geprägt. Im Jahr 2015 liegen sie bei 504,1 Mrd. Pfund Sterling (entspricht 694,5 Mrd. Euro). Im Vergleich zum Jahr 2000 sind die Einnahmen aus Steuern damit um 70,1 Prozent angewachsen.

Zeitliche Entwicklung der absoluten Höhe der jährlichen Steuereinnahmen des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland in den Jahren 2000 bis 2015 differenziert nach Steuerarten (Steuern in Mrd. Pfund Sterling)



Weitere Informationen

Zusatzinformationen zu den Staatsfinanzen der 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union finden Sie auf HaushaltsSteuerung.de z.B. auf folgenden Seiten.

» Schuldenuhren der EU-Mitgliedsstaaten
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de

» Staatsverschuldung in der EU
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de





©  Andreas Burth, Marc Gnädinger