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HaushaltsSteuerung.de » Weblog » EU-Vergleich zur Höhe der Schulden der Bundes- bzw. Zentralstaatsebene zum 31.12.2014 in Prozent der Einnahmen 2014

EU-Vergleich zur Höhe der Schulden der Bundes- bzw. Zentralstaatsebene zum 31.12.2014 in Prozent der Einnahmen 2014
13. Oktober 2015  |  Autor: Andreas Burth



Öffentliche Aufgaben werden in verschiedenen Teilsektoren des Sektors Staat erbracht. In Deutschland sind dies der Bund, die Länder, die Kommunen und die gesetzliche Sozialversicherung. Neben Deutschland haben laut Eurostat nur Belgien, Österreich und Spanien eine Landesebene. Die übrigen 24 EU-Mitglieder sind zentralstaatlich aufgebaut. Der Großteil der öffentlichen Budgetvolumina entfällt i.d.R. auf den Bund bzw. den Zentralstaat. Diesem Teilsektor ist häufig auch der überwiegende Teil etwaiger Finanzprobleme zuzurechnen. Vor diesem Hintergrund erscheint es interessant, die Verschuldung der Bundes- bzw. Zentralstaatsebene im EU-Vergleich zu untersuchen.

Eine Möglichkeit zur Gegenüberstellung der Verschuldung der Bundes- bzw. Zentralstaatsebene verschiedener EU-Mitglieder besteht darin einen Pro-Kopf-Vergleich durchzuführen. Zum Stichtag 31.12.2012 wurde eine entsprechende Analyse auch bereits auf HaushaltsSteuerung.de veröffentlicht (siehe Link unten).

» Zentralstaats-/Bundesverschuldung in der EU im Pro-Kopf-Ländervergleich, Blog-Eintrag
    vom 5. Dezember 2013

    Autor: Andreas Burth

Problematisch am Pro-Kopf-Ansatz ist jedoch, dass er die Aufgabenverteilung zwischen den verschiedenen Teilsektoren nicht berücksichtigt. So sind insbesondere bundesstaatlich aufgebaute Staaten wie Deutschland mit zentralstaatlich organisierten Staaten wie Frankreich auf Basis von Pro-Kopf-Werten nur eingeschränkt vergleichbar, sofern nur die oberste Ebene (Bund bzw. Zentralstaat) betrachtet wird. Grund sind abweichende Aufgabenportfolios, die ihren Niederschlag sowohl in den Ausgabenotwendigkeiten als auch in den Einnahmemöglichkeiten finden und sich damit auch auf die Höhe der Verschuldung auswirken können. Teilsektorvergleiche des Schuldenstandes in Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) haben ähnliche Probleme wie Pro-Kopf-Vergleiche.

Ein Lösungsansatz besteht darin, die Schulden ins prozentuale Verhältnis zu den Einnahmen zu setzen. Dieses Vorgehen bietet v.a. folgende Vorteile:
  • Unterschiede in der Wirtschaftskraft werden über das Volumen der Einnahmen indirekt berücksichtigt (je höher das BIP, desto höher sind i.d.R. auch die erzielten Einnahmen).
  • Einwohnerunterschiede verzerren die Kenngröße nicht (die Einwohnerzahl lässt sich gewissermaßen herauskürzen).
  • Die Einnahmen sind (neben den Ausgaben) ein Spiegelbild des Aufgabenportfolios der Bundes- bzw. Zentralstaatsebene im jeweiligen EU-Mitglied.
  • Die Einnahmen als Referenzgröße für die Schulden geben Hinweise im Hinblick auf die "Finanzierbarkeit" der Schulden.
  • Bei ergänzend möglichen Zeitvergleichen wird die jährliche Preissteigerung indirekt berücksichtigt, da die Inflation alle Geldgrößen (hier: Schulden und Einnahmen) in gleichem Maße betrifft (die jährliche Inflationsrate lässt sich quasi herauskürzen).
Durch Berechnung der Schulden eines Teilsektors im Verhältnis zu den Einnahmen dieses Teilsektors werden letztlich v.a. Unterschiede im Aufgabenportfolio neutralisiert. Hierdurch wird die notwendige Vergleichbarkeit im Hinblick auf das teilsektorspezifische Schuldenniveau hergestellt. Die hier verwendete Abgrenzung der öffentlichen Verschuldung ist der konsolidierte Bruttoschuldenstand nach Maastricht-Vertrag.

Im EU-Vergleich ist festzustellen, dass Griechenland mit 538,86 Prozent der Einnahmen den höchsten Schuldenstand im Zentralstaat hat. Zypern liegt mit 497,64 Prozent der Einnahmen auf Platz 2. Es folgen Italien (481,75 Prozent der Einnahmen) und Spanien (481,70 Prozent der Einnahmen). Die Bundesebene Deutschlands liegt bei Schulden in Höhe von 361,21 Prozent der Bundeseinnahmen, was dem siebthöchsten Wert aller 28 EU-Staaten entspricht. Österreichs Bundesebene ist mit 235,92 Prozent der Bundeseinnahmen verschuldet (14. Platz). Die niedrigsten Schuldenstände haben die Zentralstaaten von Estland (24,63 Prozent der Einnahmen), Luxemburg (71,33 Prozent der Einnahmen) und Dänemark (86,24 Prozent der Einnahmen).

EU-Ranking zur Höhe der Schulden der Bundes- bzw. Zentralstaatsebene zum 31.12.2014 im prozentualen Verhältnis zu den Einnahmen im Jahr 2014

Weitere Informationen zu den Schulden, Einnahmen, Ausgaben und Defiziten/Überschüssen der EU-Mitgliedsstaaten sind u.a. auf folgenden Seiten abrufbar.

» Staatsverschuldung in der Europäischen Union (EU)
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de

» Schuldenuhren der EU-Mitgliedsstaaten
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de





©  Andreas Burth, Marc Gnädinger