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HaushaltsSteuerung.de » Weblog » Höhe der Zinsen auf die Staatsverschuldung von Deutschland, Österreich und den übrigen EU-Staaten

Höhe der Zinsen auf die Staatsverschuldung von Deutschland, Österreich und den übrigen EU-Staaten
8. Dezember 2013  |  Autor: Andreas Burth



Die Staatsverschuldung der EU-Staaten nach Maastricht-Vertrag sind regelmäßig Gegenstand finanzstatistischer Analysen. Dies gilt sowohl für die Presseberichterstattung als auch für Analysen auf HaushaltsSteuerung.de. Vergleichsweise selten analysiert wird indes die Zins-Belastung die aus dieser Staatsverschuldung resultiert. Um diese Lücke zu schließen, hat HaushaltsSteuerung.de die Zinsausgaben der EU-Mitgliedsstaaten einer detaillierten Analyse unterzogen.

Im Kontext der Zinsausgaben sind für nachfolgende Analysen konkret die konsolidierten Zinsen des Jahres 2012 nach Maastricht-Vertrag (ESVG95-Schlüssel: EDP D.41) angesprochen. Die Höhe der staatlichen Zinsausgaben des Jahres 2012 ist den Notifikationen zur EU-Haushaltsüberwachung vom Oktober 2013 entnommen worden. Zur Umrechnung der Zinsausgaben der Nicht-Mitglieder des Eurosystems von der Landeswährung in Euro ist der durchschnittliche Wechselkurs des Jahres 2012 genutzt worden.


Zinsen in Relation zur Staatsverschuldung

In einem ersten Schritt werden die Zinsausgaben ins Verhältnis zur Höhe der Staatsverschuldung gesetzt. Das Ergebnis dieses Verhältnisses gibt Hinweise auf den durchschnittlichen Zinssatz, den der jeweilige Staat (Zentralstaat/Bund, Gliedstaaten, Kommunen, Sozialversicherungen) rein rechnerisch für seine gesamte Verschuldung an die Gläubiger zu entrichten hat.

Da sich die Zinsausgaben auf einen Zeitraum (hier: Kalenderjahr 2012) und die Staatsverschuldung auf einen Zeitpunkt/Stichtag beziehen, wird, um die beiden Größen vergleichbarer zu machen, bei der Staatsverschuldung der Mittelwert aus den Schuldenständen zum 31.12.2011 und zum 31.12.2012 gebildet. Beim ausgewiesenen Stand der Staatsverschuldung handelt es sich jeweils um den sog. konsolidierten Bruttoschuldenstand nach Maastricht-Vertrag.

Der Ländervergleich zeigt, dass die rechnerischen, durchschnittlichen Zinssätze in Deutschland (3,00 Prozent) deutlich unter dem Schnitt der EU-27 (EU-Mitglieder zum 31.12.2012) und der Euro-17 (Mitglieder des Eurosystems zum 31.12.2012) liegen. Österreich (3,61 Prozent) liegt knapp über dem Schnitt der EU-27 und Euro-17.

Interessant ist, dass Griechenlands rechnerischer, durchschnittlicher Zinssatz mit 2,93 Prozent unterhalb dem Deutschlands liegt. In diesem Kontext ist indes darauf hinzuweisen, dass Griechenland im Zuge der Rettungspakte seine Zins-Belastung von 14,9 Mrd. Euro im Jahr 2011 auf 9,6 Mrd. Euro im Jahr 2012 hat reduzieren können. Dies hat sich entsprechend auf die Höhe des rechnerischen, durchschnittlichen Zinssatzes ausgewirkt. So lag der Wert im Vorjahr (2011) noch bei 4,35 Prozent.

Auffällig ist ferner, dass sich die höchsten Werte in osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten beobachten lassen, die nicht Teil der Eurozone sind. So finden sich die höchsten Prozentwerte in Ungarn, Polen, Bulgarien, Rumänien und Litauen (jeweils über 4,5 Prozent). Dieses Ergebnis lässt die Vermutung zu, dass die inzwischen faktisch etablierte "Haftungsunion" der Euro-Staaten die Zinssätze für eben diese EU-Mitgliedsstaaten verhältnismäßig niedrig hält. Gleichwohl werden die durchschnittlichen Zinssätze natürlich auch von weiteren Determinanten beeinflusst, etwa den Laufzeiten der Schulden, dem Datum der Schuldenaufnahme oder der Frage, wie viele Akteure innerhalb der einzelnen Staaten getrennt voneinander bzw. gebündelt Schulden aufnehmen usw. So werden z.B. in Deutschland Schulden vom Bund, von den Ländern, von den Kommunen und von den Sozialversicherungen aufgenommen.

Die niedrigsten rechnerischen, durchschnittlichen Zinssätze auf die Staatsverschuldung entfallen auf Schweden (1,98 Prozent) und Finnland (2,06 Prozent).

Zinsen in Relation zur Staatsverschuldung 2012 (rechnerische Zinssätze)


Pro-Kopf-Ausgaben für Zinsen

Neben dem Verhältnis zur Höhe der Staatsverschuldung ebenfalls interessant ist die Frage, wie hoch die Pro-Kopf-Zinsausgaben der EU-Mitglieder ausfallen. Je höher hierbei die Ausgaben für Zinsen sind, umso größer ist das Ausmaß, zu dem sie einen Teil des Spielraumes für andere staatliche Aufgaben (z.B. Bildung, innere Sicherheit) verdrängen. Zur Umrechnung in Euro je Einwohner sind die Einwohnerzahlen zum 1.1.2013 verwendet worden. Bei den Einwohnerzahlen ist keine Durchschnittsbildung zweier Jahre vorgenommen worden, da sich die Einwohnerzahlen - im Gegensatz zur Höhe der Staatsverschuldung - im Verlauf eines Jahres i.d.R. nur vergleichsweise langsam ändern.

Das Ranking der Pro-Kopf-Ausgaben für Zinsen zeigt, dass die hoch verschuldeten Länder Italien (1.452 Euro), Irland (1.336 Euro) und Belgien (1.143 Euro) je Einwohner am meisten Steuergelder für Zinszahlungen aufwenden müssen. Auf Rang 4 folgt Österreich mit 950 Euro je Einwohner. Griechenland liegt mit 872 Euro je Einwohner knapp unter dem Schnitt der Euro-17 auf Platz 6. Deutschland liegt auf Rang 8 mit 777 Euro je Einwohner und damit knapp über dem Schnitt der EU-27. Die niedrigsten Pro-Kopf-Ausgaben für Zinsen sind für Estland (22 Euro je Einwohner) und Bulgarien (47 Euro je Einwohner) festzuhalten.

Zinsen und Staatsverschuldung: Pro-Kopf-Ausgaben


Zinsausgaben im Verhältnis zu den Staatseinnahmen

Aufbauend auf obigen Analysen stellt sich nicht zuletzt die Frage, welcher Teil der Staatseinnahmen in den Zinsdienst fließt. Je größer der für Zinszahlungen aufzuwendende Teil der Staatseinnahmen ausfällt, desto mehr schränkt die Staatsverschuldung ceteris paribus den aktuellen Handlungsspielraum der politischen Entscheidungsträger ein.

Der EU-Ländervergleich zeigt, dass die hoch verschuldeten EU-Mitglieder Italien, Griechenland, Irland und Portugal jeweils mehr als zehn Prozent ihrer Staatseinnahmen für die Zahlung von Zinsen aufzuwenden haben. Deutschland und Österreich liegen mit Werten von 5,35 Prozent und 5,32 Prozent in etwa gleichauf unterhalb des Schnitts der Euro-17 (6,69 Prozent) und der EU-27 (6,46 Prozent). Den geringsten Anteil macht die Zins-Belastung in Estland, Luxemburg, Schweden und Finnland mit jeweils weniger als zwei Prozent aus.

Zinsen und Staatsverschuldung: Ausgaben im Verhältnis zu den Staatseinnahmen


Weitere Informationen zum Thema

Die Staatsausgaben für Zinsen fließen an die Gläubiger der staatlichen Verschuldung. Informationen zu den Gläubigern der deutschen und österreichischen Staatsverschuldung finden Sie unter nachfolgenden Links.

» Gläubiger der Staatsverschuldung von Deutschland im Überblick, Blog-Eintrag vom 15.
    November 2013

    Autor: Andreas Burth

» Gläubiger-Struktur der Staatsschulden von Österreich, Blog-Eintrag vom 21. November
    2013

    Autor: Andreas Burth

Weitere Informationen zur Staatsverschuldung in der Europäischen Union (EU) können Sie unter untenstehenden Links abrufen.

» Zinsuhr zu den staatlichen Zinsausgaben von Deutschland und Österreich
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de

» Staatsverschuldung in der Europäischen Union (EU)
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de

» Schuldenuhren zu den Staatsschulden der EU-Mitgliedsstaaten
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de

» Staatseinnahmen und Staatsausgaben von Deutschland nach Maastricht-Vertrag,
    Blog-Eintrag 18. November 2013

    Autor: Andreas Burth

» Staatsverschuldung-Staatseinnahmen-Verhältnis der EU-Staaten 2012, Blog-Eintrag vom
    19. November 2013

    Autor: Andreas Burth

» Staatsverschuldung in der EU nach Teilsektoren/Ebenen gemäß Eurostat-Statistik,
    Blog-Eintrag vom 5. Dezember 2013

    Autor: Andreas Burth





©  Andreas Burth, Marc Gnädinger