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HaushaltsSteuerung.de » Weblog » Primärüberschuss/Primärdefizit der 19 Euro-Staaten: Prognose für die Jahre 2015, 2016 und 2017

Primärüberschuss/Primärdefizit der 19 Euro-Staaten: Prognose für die Jahre 2015, 2016 und 2017
10. März 2016  |  Autor: Andreas Burth



Insbesondere im Kontext der europäischen Staatsfinanzkrise fällt häufiger der Begriff des Primärsaldos (engl. "primary balance"). Zu dieser Kennzahl sind im Blog des Portals HaushaltsSteuerung.de auch bereits mehrere vergleichende Analysen erstellt worden (siehe folgende Links). Der jüngste Beitrag behandelt dabei Ist-Finanzdaten des Jahres 2014.

» Primärüberschüsse bzw. Primärdefizite der EU-Länder im Vergleich, Blog-Eintrag vom
    22. Februar 2015

    Autor: Andreas Burth

» Primärsalden 2014 der 28 EU-Länder im Vergleich, Blog-Eintrag vom 5. Juli 2015
    Autor: Andreas Burth

» Pro-Kopf-Primärsaldo und Pro-Kopf-Zinsausgaben 2014 von Bund, Ländern und
    Kommunen in Deutschland, Blog-Eintrag vom 7. Juli 2015

    Autor: Andreas Burth

Zum Jahr 2015 liegen bislang noch keine statistischen Ist-Daten vor. Allerdings gibt es inzwischen erste Schätz-/Prognosedaten für die Jahre 2015, 2016 und 2017. Die Prognosen werden zwei Mal im Jahr vom Directorate General Economic and Financial Affairs (DG ECFIN) erstellt und von der Europäischen Kommission in englischer Sprache veröffentlicht. Die verwendeten Finanzdaten werden nach der Systematik des Verfahrens bei einem übermäßigen Defizit (VÜD) (engl. "excessive deficit procedure (EDP)") auf Basis von ESVG 2010 erhoben. Sie decken folglich den Gesamtstaat (Bund/Zentralstaat, Länder, Kommunen und Sozialversicherung) ab und berücksichtigen neben den Kernhaushalten auch die Extrahaushalte (sog. "Sektor Staat" oder auch "öffentlicher Gesamthaushalt").

Inwieweit sich die Prognosezahlen zum Primärsaldo tatsächlich bewahrheiten, wird abzuwarten sein. Gleichwohl ermöglichen sie einen ersten Blick in die voraussichtliche Entwicklung der kommenden Jahre. Ein solcher Blick in die Zukunft soll im Rahmen des vorliegenden Beitrags vorgenommen werden.

Überblick:
- Erklärung des Begriffs "Primärsaldo"
- Primärüberschuss/Primärdefizit und Zinsausgaben: Prognose für das Jahr 2015
- Primärüberschuss/Primärdefizit und Zinsausgaben: Prognose für das Jahr 2016
- Primärüberschuss/Primärdefizit und Zinsausgaben: Prognose für das Jahr 2017
- Nachrichtlich: Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland
- Weitere Informationen



Erklärung des Begriffs "Primärsaldo"

Der Primärsaldo ist der Oberbegriff für einen Primärüberschuss (engl. "primary surplus") und ein Primärdefizit (engl. "primary deficit"). Ein Primärüberschuss ist liegt bei einem positiven Vorzeichen vor; bei einem negativen Vorzeichen spricht man von einem Primärdefizit. Zur Bestimmung des Primärsaldos eines Staates ist in einem ersten Schritt der Finanzierungssaldo (je nach Vorzeichen: Finanzierungsüberschuss oder Finanzierungsdefizit) zu ermitteln. Der Finanzierungssaldo eines Staates (engl. "net lending/borrowing") berechnet sich aus der Differenz der gesamten Staatseinnahmen und der gesamten Staatsausgaben. Zu den Staatsausgaben zählen dabei auch die staatlichen Zinsausgaben. Nach den Vorgaben des Maastricht-Vertrags soll das Finanzierungsdefizit die Schwelle von 3,0 Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht übersteigen.

Im Kontext des Finanzierungsaldos nach Maastricht-Vertrag sei darauf hinzuweisen, dass dieser nicht mit der Veränderung des Schuldenstandes nach Maastricht-Vertrag gleichgesetzt werden darf. So führt z.B. ein Finanzierungsdefizit von 10,0 Mrd. Euro nicht notwendigerweise zu einer Erhöhung des Schuldenstandes um 10,0 Mrd. Euro. Grund hierfür ist, dass der Finanzierungssaldo einerseits und die Veränderung des Schuldenstandes andererseits unterschiedlich abgegrenzt sind. Die Differenz zwischen den beiden Größen ergibt sich aus einer umfangreichen Überleitungsrechnung. Zwei Beispiele für solche Überleitungsrechnungen können Sie nachfolgenden Links entnehmen (jeweils Tabelle 3A auf Seite 7).

» Reporting of Government Deficit and Debt Levels (October 2015): Germany
    Hrsg.: Eurostat

» Reporting of Government Deficit and Debt Levels (October 2015): Austria
    Hrsg.: Eurostat

Um den Primärsaldo zu ermitteln werden dem Finanzierungssaldo die Zinsausgaben (engl. "interest payments") hinzugerechnet. Hintergrund dieses Vorgehens ist, dass die Zinsausgaben im Finanzierungssaldo bereits als ein Teil der Staatsausgaben negativ erfasst worden sind. Das Hinzuaddieren der Zinsausgaben neutralisiert diese Position.

Formel zur Berechnung von Finanzierungssaldo (Finanzierungsüberschuss/Finanzierungsdefizit) und Primärsaldo (Primärüberschuss/Primärdefizit) (statistische Abgrenzung)

Der Primärsaldo ist eine wichtige Kenngröße zur Beurteilung der Finanzlage eines Staates. Grundidee des Primärsaldos ist es dabei, dass die Leistung von Zinsausgaben für aufgelaufene Schulden nicht zu den eigentlichen Kernaufgaben eines Staates zählt. Daher werden die Zinsausgaben aus dem Saldo eliminiert. Im Ergebnis zeigt der Primärsaldo an, ob die Staatseinnahmen in ihrer Höhe genügen, um die Staatsausgaben für die Erfüllung der eigentlichen staatlichen Kernaufgaben (innere Sicherheit, äußere Sicherheit, Bildung, Forschung, Soziales etc.) komplett zu decken. Ist der Primärsaldo negativ (Primärdefizit), so reichen die Einnahmen nicht aus, um die Ausgaben für die Kernaufgaben zu finanzieren. Ist er positiv (Primärüberschuss), nimmt der Staat mehr ein als er zur Erfüllung der Kernaufgaben bräuchte.

Zur Interpretation des Primärsaldos ist indes zusätzlich die Staatsverschuldung zu berücksichtigen. Hätte ein Staat keinerlei (verzinste) Schulden, würde diesem Staat ein ausgeglichener Primärsaldo genügen. Im Fall der Schuldenfreiheit (d.h. Zinsausgaben von null Euro) entspricht der Primärsaldo dem Finanzierungssaldo. Ist ein Staat indes verschuldet (was heute der Regelfall ist), hat selbiger Primärüberschüsse zu erwirtschaften, um das Wachstum der Staatsverschuldung zu stoppen. Genau genommen muss der Primärüberschuss größer sein als die Zinsausgaben, um eine Rückführung der Staatsschulden zu ermöglichen.

Der Primärsaldo lässt sich ferner als "Gedankenexperiment" interpretieren, bei dem berechnet wird, welche Höhe der Finanzierungssaldo annehmen würde, wenn sich der betreffende Staat auf einen Schlag aller seiner Schulden entledigen könnte (z.B. durch einen vollständigen Schuldenerlass). Diese Herangehensweise zur Interpretation des Primärsaldos ist jedoch eher theoretischer Natur, da derartige Komplettentschuldungen von Staaten in der Praxis sehr unwahrscheinlich sind.

Das oben beschriebene und auch in den Analysen des vorliegenden Blog-Eintrags verwendete Berechnungsschema des Primärsaldos (Primärsaldo = Finanzierungssaldo + Zinsausgaben) ist diejenige Abgrenzung, die üblicherweise in statistischen Analysen zu den EU-Staatsfinanzen genutzt wird. Auch Eurostat verwendet i.d.R. diese Abgrenzung. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es sich hierbei nicht um die einzige Definition des Begriffs "Primärsaldo" handelt. So nutzt die aus Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Kommission bestehende Troika (inzwischen auch als "Die Institutionen" bezeichnet) z.B. für Griechenland eine andere, landesspezifische Definition. Die Differenz zwischen beiden Definitionen schwankt von Jahr zu Jahr deutlich. Beispielsweise lag der Unterschiedsbetrag zwischen den zwei Primärsaldo-Abgrenzungen 2013 bei ca. 9 Prozent des nominalen BIP bzw. 16,5 Mrd. Euro. Im Jahr 2013 erklärt sich der Unterschied insbesondere durch die Ausgaben zur Unterstützung des Bankensystems, die in der Troika-Abgrenzung heraus gerechnet worden sind.

Weitere allgemeine Erläuterungen und Details zu den Anpassungen im Rahmen der Troika-Abgrenzung finden Sie z.B. in folgender PDF-Datei auf den Seiten 265 ff. Konkrete Daten zur Überleitungsrechnung der beiden Primärsaldo-Abgrenzungen für das zuvor angesprochene Jahr 2013 finden Sie auf Seite 22. Die statistische Abgrenzung des Primärsaldos wird hierin als "ESA primary balance" bezeichnet. Die Troika-Abgrenzung heißt "programme primary balance" oder "modified general government primary cash balance" (MGGPCB).

» The Second Economic Adjustment Programme for Greece - Fourth Review - April 2014
    Hrsg.: Europäische Kommission



Primärüberschuss/Primärdefizit und Zinsausgaben: Prognose für das Jahr 2015

Abbildung 2 zeigt die prognostizierten Primärsalden und Zinsausgaben der 19 Mitglieder des Eurosystems für das Jahr 2015. Die beiden Größen werden gemeinsam ausgewiesen, da sich aus der Differenz von Primärsaldo und Zinsausgaben der Finanzierungssaldo nach Maastricht-Vertrag ableiten lässt. Liegen die Zinsausgaben höher als der Primärsaldo, liegt ein Finanzierungsdefizit vor (dies ist 2015 z.B. in Österreich und Griechenland der Fall). Umgekehrt erwirtschaftet der betreffende Staat einen Finanzierungsüberschuss, wenn die Zinsausgaben niedriger ausfallen als der Primärsaldo (dies ist im Jahr 2015 z.B. in Deutschland und Estland der Fall).

Ein Primärüberschuss wird für zwölf der 19 Euro-Staaten prognostiziert. Hierunter sind auch Deutschland (2,4 Prozent des nominalen BIP) und Österreich (0,5 Prozent des nominalen BIP). Deutschland hat zugleich den höchsten Primärüberschuss aller 19 Staaten. Den schlechtesten Primärsaldo erwartet Finnland mit -2,0 Prozent des BIP. In Griechenland ist der Primärsaldo nahezu ausgeglichen (-0,2 Prozent des BIP).

Finanzierungsüberschüsse (d.h. der Primärsaldo ist höher als die Zinsausgaben) werden 2015 nur für drei Staaten erwartet: Deutschland, Estland und Luxemburg. Der höchste Finanzierungsüberschuss wird für Deutschland berichtet (0,9 Prozent des nominalen BIP). Für die übrigen 16 Mitglieder der Eurozone wird ein Finanzierungsdefizit prognostiziert (d.h. der Primärsaldo ist niedriger als die Zinsausgaben). Unter den Staaten mit Finanzierungsdefizit ist auch Österreich (-1,9 Prozent des nominalen BIP).

Die im Verhältnis zur Wirtschaftskraft höchsten Zinsausgaben haben Portugal (4,9 Prozent des nominalen BIP), Griechenland (4,4 Prozent des nominalen BIP) und Italien (4,3 Prozent des nominalen BIP). Deutschland liegt bei 1,5 Prozent des nominalen BIP. Österreichs Zinsausgaben summieren sich auf 2,4 Prozent des nominalen BIP. Die niedrigsten Zinsausgaben hat voraussichtlich Estland mit 0,1 Prozent des nominalen BIP. Ein wesentlicher Grund für die ausgesprochen niedrigen Zinsausgaben ist, dass Estland der am niedrigsten verschuldete Euro-Staat ist (siehe z.B. folgender Link).

» Rankings über Staatsverschuldung und Staatsdefizite der EU-Staaten
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de

Prognose über den Primärsaldo (Primärüberschuss/Primärdefizit) und die Zinsausgaben der 19 Euro-Staaten in Relation zur Wirtschaftskraft im Jahr 2015 (in Prozent des nominalen BIP)

Ein analoges Bild zeigt sich hinsichtlich der Verteilung in Primärüberschuss- und Primärdefizit-Staaten erwartungsgemäß auch bei einer Pro-Kopf-Betrachtung. Den höchsten Pro-Kopf-Primärüberschuss hat im Jahr 2015 voraussichtlich Deutschland mit 887 Euro je Einwohner. Das höchste Primärdefizit wird mit -768 Euro je Einwohner für Finnland prognostiziert. Den zweithöchsten negativen Primärsaldo erwartet Frankreich mit -587 Euro je Einwohner.

Spitzenreiter bei den staatlichen Pro-Kopf-Zinsausgaben ist Irland mit 1.469 Euro je Einwohner. Ebenfalls über 1.000 Euro je Einwohner liegen Italien (1.153 Euro je Einwohner) und Belgien (1.057 Euro je Einwohner). Estland gibt mit 12 Euro je Einwohner am wenigsten für Zinsen aus. Deutschlands Zinsausgaben erreichen ein Volumen von 567 Euro je Einwohner. Der österreichische Wert liegt bei 921 Euro je Einwohner.

Prognose über den Pro-Kopf-Primärsaldo (Primärüberschuss/Primärdefizit) und die Pro-Kopf-Zinsausgaben der 19 Staaten der Eurozone im Jahr 2015 (in Euro je Einwohner)



Primärüberschuss/Primärdefizit und Zinsausgaben: Prognose für das Jahr 2016

Für 2016 wird erwartet, dass 14 Staaten einen Primärüberschuss und fünf Staaten ein Primärdefizit ausweisen. Deutschland wird voraussichtlich mit 1,9 Prozent des nominalen BIP den zweithöchsten Primärüberschuss nach Zypern (2,6 Prozent des nominalen BIP) realisieren. Primärdefizite werden prognostiziert für Finnland, Frankreich, die Niederlande, die Slowakei und Spanien. Das Primärdefizit von Finnland wird gemäß den Prognosedaten mit -1,6 Prozent des nominalen BIP das schlechteste aller 19 Euro-Staaten werden. Es folgt Frankreich mit -1,3 Prozent des nominalen BIP.

Ein Finanzierungsüberschuss (d.h. der Primärsaldo ist höher als die Zinsausgaben) wird für Deutschland, Estland, Luxemburg und Zypern erwartet. Der Finanzierungsüberschuss Deutschlands soll bei 0,5 Prozent des nominalen BIP liegen. Die übrigen Euro-Länder gehen von einem Finanzierungsdefizit (d.h. der Primärsaldo ist niedriger als die Zinsausgaben) aus. Österreich erwartet ein Finanzierungsdefizit in Höhe von -1,6 Prozent des nominalen BIP aus.

Die höchsten Zinsausgaben hat - wie im Vorjahr - Portugal (4,5 Prozent des nominalen BIP). Am geringsten fallen sie erneut in Estland aus (0,1 Prozent des nominalen BIP). Für Deutschland werden Zinsausgaben von 1,4 Prozent des nominalen BIP prognostiziert. In Österreich werden staatliche Zinsausgaben von 2,2 Prozent des nominalen BIP erwartet.

Prognose über den Primärsaldo (Primärüberschuss/Primärdefizit) und die Zinsausgaben der 19 Staaten der Eurozone in Relation zur Wirtschaftskraft im Jahr 2016 (in Prozent des nominalen BIP)

Der höchste Pro-Kopf-Primärüberschuss 2016 wird für Luxemburg prognostiziert (799 Euro je Einwohner). Für Deutschland wird mit 739 Euro je Einwohner der zweihöchste Wert erwartet. Österreich wird voraussichtlich einen Pro-Kopf-Primärüberschuss in Höhe von 268 Euro je Einwohner ausweisen. Die größten Primärdefizite werden für Finnland (-603 Euro je Einwohner) und Frankreich (-452 Euro je Einwohner) vorhergesagt.

Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl sind die Zinsausgaben in Irland am höchsten (1.426 Euro je Einwohner). Es folgen Italien (1.142 Euro je Einwohner) und Belgien (1.030 Euro je Einwohner). Deutschland liegt bei 542 Euro je Einwohner, Österreich bei 909 Euro je Einwohner. Estland wird voraussichtlich mit 13 Euro je Einwohner die geringsten Pro-Kopf-Zinsausgaben verzeichnen.

Prognose über den Pro-Kopf-Primärsaldo (Primärüberschuss/Primärdefizit) und die Pro-Kopf-Zinsausgaben der 19 Staaten der Eurozone im Jahr 2016 (in Euro je Einwohner)



Primärüberschuss/Primärdefizit und Zinsausgaben: Prognose für das Jahr 2017

2017 sollen laut der EU-Prognose nur noch vier Staaten ein Primärdefizit aufweisen. Für die übrigen 15 Staaten des Euroraums werden Primärüberschüsse erwartet. Der Höchstwert wird für Zypern vorausgesagt (2,6 Prozent des nominalen BIP). Deutschland liegt bei 1,8 Prozent des nominalen BIP und Österreich bei 0,9 Prozent des nominalen BIP. Die beiden Länder mit dem schlechtesten Wert sind Finnland und Frankreich mit jeweils 1,2 Prozent des nominalen BIP.

Finanzierungsüberschüsse (d.h. der Primärsaldo übersteigt die Zinsausgaben) erwarten für 2017 vier Euro-Länder. Darunter ist auch Deutschland mit einem Finanzierungsüberschuss von 0,4 Prozent des nominalen BIP. Österreich verzeichnet ein Finanzierungsdefizit von 1,3 Prozent des nominalen BIP.

Die höchsten staatlichen Zinsausgaben erwartet Portugal mit 4,3 Prozent des nominalen BIP. Es folgen Griechenland (4,0 Prozent des nominalen BIP) und Italien (3,9 Prozent des nominalen BIP). Deutschland gibt 2017 voraussichtlich 1,4 Prozent des nominalen BIP für Zinsen aus. In Österreich liegt der Wert bei 2,2 Prozent des nominalen BIP. Die niedrigsten Zinsausgaben hat einmal mehr Estland (0,1 Prozent des nominalen BIP).

Prognose über den Primärsaldo (Primärüberschuss/Primärdefizit) und die Zinsausgaben der 19 Staaten der Eurozone in Relation zur Wirtschaftskraft im Jahr 2017 (in Prozent des nominalen BIP)

Bei den Pro-Kopf-Primärsalden ist der prognostizierte Höchstwert des Jahres 2017 für Luxemburg festzustellen (888 Euro je Einwohner). Es folgen Irland (735 Euro je Einwohner) und Deutschland (714 Euro je Einwohner). Die schlechtesten Primärsalden werden - wie schon in den Vorjahren - für Finnland (-475 Euro je Einwohner) und Frankreich (-407 Euro je Einwohner) erwartet. Österreichs Primärüberschuss beträgt laut der Prognosedaten 361 Euro je Einwohner.

Analog zu den beiden Vorjahren verzeichnet Irland mit 1.469 Euro je Einwohner die höchsten Pro-Kopf-Zinsausgaben. Es folgen wiederum Italien (1.117 Euro je Einwohner) und Belgien (1.039 Euro je Einwohner). Deutschlands staatliche Zinsausgaben liegen bei 542 Euro je Einwohner. Österreich verzeichnet einen Wert von 909 Euro je Einwohner. Estland kommt auf Zinsausgaben von 17 Euro je Einwohner. Dies ist 2017 (wie auch schon in den Vorjahren) der voraussichtlich niedrigste Wert aller 19 Euro-Staaten.

Prognose über den Pro-Kopf-Primärsaldo (Primärüberschuss/Primärdefizit) und die Pro-Kopf-Zinsausgaben der 19 Staaten der Eurozone im Jahr 2017 (in Euro je Einwohner)



Nachrichtlich: Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland

Der Fokus dieses Beitrags liegt auf den 19 Mitgliedern der Eurozone. Mit dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland (kurz: Vereinigtes Königreich) wird damit jedoch zumindest ein EU-Mitglied ausgespart, das aufgrund seiner hohen Einwohnerzahl (64.875.165 zum 1.1.2015) nicht minder relevant ist. Zudem steht am 23.6.2016 ein Referendum über den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU an. Vor diesem Hintergrund erscheint es angebracht, das Vereinigte Königreich an dieser Stelle ergänzend ebenfalls kurz zu analysieren. Zu beachten ist dabei, dass die Pro-Kopf-Werte nicht in Euro, sondern in der Landeswährung (Pfund Sterling) angegeben sind. Daten zum aktuellen EZB-Referenzkurs von Euro und Pfund Sterling können Sie z.B. nachstehendem Link entnehmen.

» Euro foreign exchange reference rates
    Hrsg.: Europäische Zentralbank (EZB)

Für das Jahr 2015 prognostiziert der verwendete Datensatz noch ein Primärdefizit von -2,0 Prozent des nominalen BIP. Bis 2017 soll sich das Primärdefizit jedoch in einen Primärüberschuss verwandeln (0,4 Prozent des nominalen BIP). Zur Deckung der staatlichen Zinsausgaben genügt dies jedoch nicht, d.h. auch für 2017 wird noch ein Finanzierungsdefizit erwartet. Das Finanzierungsdefizit wird sich voraussichtlich von -4,4 Prozent des nominalen BIP im Jahr 2015 auf -1,9 Prozent des nominalen BIP im Jahr 2017 verringern.

Prognose über den Primärsaldo (Primärüberschuss/Primärdefizit) und die Zinsausgaben des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland in Relation zur Wirtschaftskraft in den Jahren 2015, 2016 und 2017 (in Prozent des nominalen BIP)

Das Pro-Kopf-Primärdefizit des Jahres 2015 wird voraussichtlich bei -572 Pfund Sterling je Einwohner liegen. 2016 wird für das Vereinigte Königreich ein Pro-Kopf-Primärdefizit in Höhe von -190 Pfund Sterling je Einwohner prognostiziert. Der erwartete Pro-Kopf-Primärüberschuss des Jahres 2017 liegt bei 116 Pfund Sterling je Einwohner.

In der Pro-Kopf-Betrachtung in Abbildung 9 zeigt sich ein ähnlicher Verlauf wie zuvor in Abbildung 8. Die Pro-Kopf-Zinsausgaben steigen im Zeitablauf von 708 auf 726 Pfund Sterling je Einwohner. In Relation zum nominalen BIP sind die Zinsausgaben des Vereinigten Königreichs in obiger Abbildung 8 aufgrund des wirtschaftlichen Wachstums leicht rückläufig.

Das Finanzierungsdefizit wird sich laut aktueller Prognosen von -1.280 Pfund Sterling je Einwohner (2015) auf -610 Pfund Sterling je Einwohner (2017) verbessern.

Prognose über den Pro-Kopf-Primärsaldo (Primärüberschuss/Primärdefizit) und die Pro-Kopf-Zinsausgaben des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland in den Jahren 2015, 2016 und 2017 (in Pfund Sterling je Einwohner)



Weitere Informationen

Weiterführende Datenangebote zu den Staatsfinanzen der Euro-Staaten können Sie auf HaushaltsSteuerung.de z.B. auf nachfolgenden Seiten abrufen.

» Schuldenuhren der EU-Mitgliedsstaaten
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de

» Staatsverschuldung in der Europäischen Union (EU)
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de

» Staatsverschuldung in Deutschland (Bund, Länder, Kommunen)
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de

» Zinsuhr zu den staatlichen Zinsausgaben von Deutschland und Österreich
    Hrsg.: HaushaltsSteuerung.de





©  Andreas Burth, Marc Gnädinger